Interne Berichte zeigen Wirkung
Mitsubishi muss mehr Defekte zugeben

Beim angeschlagenen japanischen Autobauer Mitsubishi Motors gab es in den vergangenen Jahren deutlich mehr sicherheitsrelevante Defekte an Fahrzeugen als bisher zugegeben. Statt die Wagen zurückzurufen wurden sie klammheimlich repariert.

HB TOKIO. Rund 160 000 weitere Fahrzeuge aus 17 Modellreihen müssten möglicherweise in die Werkstätten zurückgerufen werden, sagte der neue Mitsubishi-Motors-Chef Yoichiro Okazaki am Mittwoch in Tokio. Bei einer Durchsicht interner Berichte seien 92 weitere Fälle von Defekten aufgedeckt worden, die vertuscht wurden, um einen offiziellen Rückruf zu vermeiden. „Ich glaube, das ist die letzte Chance, die in der Vergangenheit falsch gelaufenen Dinge zu berichtigen“, sagte Okazaki. Mitsubishi Motors rechne damit, dass der neue Skandal in den nächsten Monaten zu einem Rückgang des Absatzes führe, der das Unternehmen 20 Milliarden Yen (fast 150 Millionen Euro) Gewinn kosten werde. Die Reparaturkosten bezifferte er auf umgerechnet knapp 20 Millionen Euro.

Mitsubishi Motors hatte bereits vor vier Jahren unter einem Skandal um vertuschte Rückrufe gelitten. Weltweit mussten damals zwei Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten. Trotz Hinweisen des Unternehmens an die Behörden sei aber niemand den Fällen aus den Jahren vor 1998 nachgegangen, hieß es. Mitsubishi hatte die Fahrzeuge über Jahrzehnte heimlich repariert, anstatt sie formal zurückzurufen. Unfälle seien durch die jetzt aufgedeckten Mängel nicht entstanden. Betroffen seien unter anderem einige hundert Polizeiautos.

Okazaki versucht offenkundig, im Unternehmen gründlich aufzuräumen. Er ist seit dem Ausstieg von Daimler-Chrysler aus der weiteren Finanzierung von Mitsubishi Motors im Amt. Der vor zwei Wochen verabschiedete Sanierungsplan basiere zur Hälfte auf der Ablösung der verkrusteten Unternehmensstrukturen, sagte er auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz. Damit wolle der Konzern das Vertrauen seiner Kunden - allein 3,6 Millionen in Japan - zurückgewinnen. „Mir ist bewusst, dass unser Absatz im Juni, Juli und darüber hinaus wahrscheinlich leiden wird“, sagte er mit Blick auf den verschleierten Rückruf. Im Mai waren die Verkaufszahlen von Mitsubishi Motors um 56 Prozent eingebrochen.

Fuso bestraft Mitarbeiter

Zuletzt hatte ein ähnlicher Skandal um verzögerte Rückrufe die ehemalige Mitsubishi-Nutzfahrzeug-Tochter Fuso erschüttert, die inzwischen zu 65 Prozent zu Daimler-Chrysler gehört. Dort war durch ein davonfliegendes Rad eine Frau getötet worden. Sieben frühere Mitsubishi-Motors-Manager wurden deswegen festgenommen. Fuso teilte am Mittwoch mit, 29 Mitarbeiter seien wegen des Skandals zeitweise suspendiert und ihr Gehalt gekürzt worden. Fuso hatte die gebrochenen Radnaben lange Zeit auf fehlerhafte Wartung geschoben.

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