Interne Untersuchung
BP übergeht Vorwürfe gegen Vorstand

Vor einer Woche trat BP-Chef Lord Browne wegen einer Sex-Affäre zurück, jetzt gerät Raffinerievorstand John Manzoni unter Druck: Ein interner Bericht weist nach, dass der für das weltweite Raffineriegeschäft zuständige Top-Manager schwere Führungsfehler begangen hat. BP allerdings sieht keinen Handlungsbedarf.

LONDON. Der britische Ölkonzern will an Konzernvorstand Manzoni festhalten, obwohl dieser in einem internen Bericht schwer mit der Verantwortung für einen Unfall belastet wird. Eine hochkarätig besetzte Kommission unter der Leitung des Aufsichtsratsvorsitzenden von BP Deutschland, Wilhelm Bonse-Geuking. kommt zu dem Schluss, dass zahlreiche Managementfehler für den Tod von 15 Männern und Frauen in einer BP-Raffinerie 2005 in Texas verantwortlich waren.

Manzoni habe zahlreiche Warnsignale unbeachtet gelassen, heißt es in dem Bericht. Der für das weltweite Raffineriegeschäft zuständige Manager habe seine Pflichten nicht erfüllt.

Trotz der von BP selbst aufgedeckten Mängel sieht das Unternehmen keinen Handlungsbedarf. „BP hat seine Prüfung des Berichts abgeschlossen, die Empfehlungen zur Kenntnis genommen und bereits alle Maßnahmen ergriffen, die das Unternehmen zu ergreifen gedenkt“, sagt ein Sprecher des Konzerns. „Unsere Unternehmenspolitik sieht vor, uns nicht zu Personalangelegenheiten zu äußern. Deshalb werden wir uns nicht zu Einzelheiten des Reports äußern.“

Einzelheiten des Reports allerdings schreien nach einer Erklärung. Manzoni hatte in der Vergangenheit stets behauptet, er habe vor der Explosion keine Kenntnis von den Sicherheitsmängeln auf der Raffinerie gehabt. Bei seiner Vernehmung durch Anwälte einer Hinterbliebenen sagte Manzoni: „Ich glaube, dass niemand den Grad des Risikos kannte. Hätten wir ihn gekannt, hätten wir anders gehandelt.“

Der BP-Report deckt nun auf, dass Manzoni offenbar mehr wusste, als er zugibt: Schon 2002 habe eine Untersuchung der Unternehmensberatung A.T. Kearney vor großen Risiken in Texas City gewarnt. Manzoni habe die Raffinerie 2003 und 2004 besucht und den schlechten Zustand der Anlagen gesehen. Außerdem habe es schon 2004 eine Explosion und Todesfälle gegeben.

Der Report umfasst 64 Seiten und trägt den Aufdruck „vertraulich, nur für den inneren Gebrauch“. Er wurde aber in der vergangenen Woche durch einen Gerichtsbeschluss öffentlich und liegt dem Handelsblatt vor.

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