Interner Streit
Großmann verliert Machtprobe bei RWE

Der RWE-Aufsichtsrat wird den Vertrag von Finanzvorstand Pohlig verlängern - und stärkt damit einen internen Gegner von RWE-Chef Jürgen Großmann. Damit sind die Machtkämpfe um die Nachfolge Großmanns an der Spitze des Energiekonzerns eröffnet.
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DÜSSELDORF. Jürgen Großmann ist es nicht gewohnt, bei Personalentscheidungen Rücksicht nehmen zu müssen. Als Mehrheitseigentümer und Vorstandschef seiner Stahl- und Maschinenbauholding Georgsmarienhütte konnte der Unternehmer viele Jahre schalten und walten, wie er wollte.

Doch im Oktober 2007 wurde Großmann Chef des Essener Dax-Konzerns RWE, und seitdem gelten für ihn andere Spielregeln. Nicht er, Großmann, kann bei dem Energieversorger Vorstände berufen oder vorzeitig absetzen, sondern nur sein Aufsichtsrat. Und wenn seine Kontrolleure nicht mitspielen, kann Großmann seine Personalplanungen begraben.

Bei der Ablösung des früheren Vorstandsmitglieds Ulrich Jobs konnte Großmann den Aufsichtsrat noch überzeugen: Der Manager hat den Konzern nach über 30-jähriger Zugehörigkeit verlassen. Doch ein anderer Konzernvorstand, mit dem Großmann seit Monaten im Clinch liegt, sitzt fester im Sattel, als es dem RWE-Chef lieb ist. Die Rede ist von Finanzvorstand Rolf Pohlig, 57 - den Großmann gerne gemeinsam mit Jobs entsorgt hätte. Nun aber, so heißt es in Unternehmenskreisen, soll Pohligs Vertrag, der eigentlich Ende 2011 endet, um weitere zwei Jahre verlängert werden.

Großmann empfindet das als heftigen Affront, denn wie es im Moment aussieht, wird der ehemalige Eon-Manager Pohlig erst Ende 2013 aus dem Amt scheiden - und damit 15 Monate später als Großmann selbst. Der heute 58-jährige RWE-Chef steht, wie er oft genug betont hat, für eine weitere Amtszeit nicht zur Verfügung.

RWE-Aufsichtsratschef Manfred Schneider begründet die Vertragsverlängerung für Großmanns Gegenspieler Pohlig mit Konzerninteressen. Der Finanzmann hat bei den Kontrolleuren einen fachlich exzellenten Ruf. Schneider will, so heißt es in Unternehmenskreisen, mit der Vertragsverlängerung für Pohlig vermeiden, dass RWE innerhalb kürzester Zeit seine beiden wichtigsten Vorstände verliert.

Denn die internen Kandidaten, die sich für die Großmann-Nachfolge warmlaufen - vor allem Leonhard Birnbaum und Rolf Martin Schmitz -, sind aus Schneiders Sicht noch nicht so weit.

In den Machtkampf um die Personalie Pohlig kann Großmann derzeit jedoch gar nicht eingreifen. Der RWE-Chef ist seit zwei Wochen krank - und nicht einsatzfähig. Jetzt hat er angekündigt, dass er dem Unternehmen frühestens Ende November wieder voll zur Verfügung steht. Was dem Manager fehlt, dazu wollte sich das Unternehmen nicht äußern.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Teamleiter Sport

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