Internet-Kampagne
Aktivisten setzen Kopfgeld auf „Panzerfamilie“ aus

Mit einer provokanten Kampagne will eine Berliner Aktionsgruppe die Eigentümer des Rüstungskonzerns Krauss-Maffei vor Gericht bringen und die umstrittene Auslieferung deutscher Panzer nach Saudi-Arabien stoppen.
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Das „Zentrum für politische Schönheit“ (ZPS), ein Zusammenschluss Berliner Künstler und Menschenrechtler, bezieht Stellung gegen die Eigentümer des Rüstungskonzerns Krauss-Maffei: Unter dem Motto „Die Panzerfamilie“ haben die Aktivisten auf einer Webseite Porträts der Haupteigner des Unternehmens veröffentlicht und stellen sie damit an den Internetpranger. Zudem wurde ein „Kopfgeld“ ausgesetzt: Hinweise aller Art, die zu einer „rechtskräftigen Verurteilung führen“, sollen mit insgesamt 25.000 Euro belohnt werden.

Ziel der medienwirksamen Kampagne ist, die Lieferung deutscher Panzer vom Typ Leopard nach Saudi-Arabien zu stoppen. „Leider ist der Handel mit schwerem Kriegsgerät in Deutschland derzeit nicht strafbar“, erklärt das ZPS den Hintergrund der Aktion. Die „Panzerfamilie“ solle daher wegen anderer Vergehen vor Gericht gebracht werden, zum Beispiel wegen Steuerhinterziehung, Geldwäsche, Insiderhandel oder der illegalen Beschäftigung von Haushaltshilfen.

Entsprechende Hinweise können ganz einfach per Mausklick oder E-Mail eingereicht werden. „Wir haben bereits gestern am ersten Kampagnentag einen sehr glaubwürdigen Anhaltspunkt aus der Bevölkerung erhalten“, erklärt Philipp Ruch, künstlerischer Leiter der Aktion, gegenüber Handelsblatt Online.

Ruchs Meinung nach ein probates Mittel zum Zweck: „Wenn die Politik den tödlichen Waffenhandel nicht verbietet, müssen wir die Täter auf kreative Weise ins Gefängnis bringen.“ Man versuche, sich im Stil von Al Capone gegen das Unrecht zu wehren. „Bei Capone musste letztlich auch die Steuerhinterziehung herhalten.“

In der Berliner Innenstadt wurde gestern ein großflächiges Plakat gehisst, auf dem die Namen der wichtigsten Eigentümer von Krauss-Maffei zu lesen sind. Am heutigen Dienstag sollen nach Aussage von Philipp Ruch zudem Anzeigen in der Kasseler Lokalpresse mit einem entsprechenden „Fahndungsaufruf“ erschienen sein. „Viele Mitglieder der 'Panzerfamilie' leben in der Gegend“, erklärt Ruch. Auch die Bundesregierung soll in die Pflicht genommen werden: Direkt von der Seite 2500-euro.de können Twitter-Nutzer @RegSprecher alias Steffen Seibert, Sprecher der Bundesregierung und Chef des Bundespresseamtes, fragen, warum „die Regierung den Export von Kampfpanzern nach Saudi-Arabien unterstütze“.

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Von einem „Kopfgeld“ kann nicht die Rede sein

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  • PANZERprosa
    Deutsche Kanonen / all' die belohnen /
    die gerne thronen / gar niemand verschonen /
    die herrschen wollen / total aus dem Vollen //
    mit Blutgeld zahlen / ganz ohne Qualen /
    die Panzerlein schicken / um's Menschlein zu drücken //
    aus dem wird gepresst / der Saft für das Fest /
    mit dem sich besaufen / die kaufen und kaufen //
    und die verkaufen eididei / wie z.B. Krauss-Maffei /
    auch Henschel, KUKA, MaK sind froh /
    und Wegmann Technik sowieso /
    dass sich's so hübsch verdienen läßt /
    an dem, was Menschlein gibt den Rest//
    Der Tod, das klingt doch sehr bekannt,
    ist ein Meister aus deutschem Land!
    (Uteplass)
    --

  • Diese "25000Euro" Aktion erinnert doch sehr an die Hatz auf Juden im Dritten Reich! Und die Übernahme von "Patenschaften" für Mitglieder der Eigentümerfamilie von Krauss-Maffei-Wegmann ist die Reaktivierung des Blockwarts in Zeiten des Internets. Aber das sind halt typisch deutsche Eigenschaften, da könnt ihr nix dafür!
    Pfui Teufel!!! Dass Faschismus nie ausstirbt???!!! Und das von Leuten, die für Frieden in der Welt eintreten! Unglaubwürdiger könnt ihr euch nicht machen! Pfui Teufel!!!
    Diese Aktion ist eine mit freiheitlich demokratischen Grundsätzen nicht zu vereinbarende Grenzüberschreitung. Mein Tip: Sofort aus dem Netz nehmen! Besser heute als Morgen.
    Diese Aktion ist aller unterste Schiene und ist bestenfalls mit spätpubertären Provoziergehabe zu erklären.
    Ich bin schockiert, deshalb nochmal: PFUI TEUFEL!
    Edmund Ernst, 83530 Schnaitsee

  • Schade dass der Artikel nicht erläutert warum die Aktivisten gegen Waffen sind. Waffen gegen Notwehr sind doch in Ordnung.
    Aber: das beste Argument gegen Waffenverkäufe ans Ausland ist: Ich würde doch auch nicht meinem potentiellem Taschendieb eine Waffe verkaufen.
    Für mich ist das Landesverrat. Einen potentiellen Gegner mit besten Waffen auszurüsten. Heute kann er noch "Freund" sein, aber morgen?

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