Internet
Nokia kauft noch ein soziales Netz

Nokia erweitert sein Angebot an Online-Diensten: Der Handyhersteller integriert den Reisespezialisten Dopplr in seine Navigationssoftware. Reisende können mit dem neuen Dienst beispielsweise sehen, wer sich aus ihrem Freundeskreis ebenfalls in der Stadt aufhält.

STOCKHOLM. Nokia baut sein Angebot an Onlinediensten aus. Gestern übernahm der weltgrößte Handyhersteller das kleine soziale Netzwerk Dopplr. Das von Marko Ahtisaari, dem Sohn des ehemaligen finnischen Präsidenten und Friedensnobelpreisträgers Martti Ahtisaari gegründete Unternehmen gibt Reisenden die Möglichkeit, Erfahrungen über ihre Reisen, Hotel- und Restaurantaufenthalte auszutauschen. Das Unternehmen mit Sitz in Helsinki und London beschäftigt sieben Mitarbeiter.

Durch die Dopplr-Übernahme erhalte Nokia "einmaliges Know How", teilte der Konzern mit. Einen Kaufpreis wollt er nicht nennen, doch die in einigen Blogs genannten zehn bis 15 Mio. Euro nannte eine Nokia-Sprecherin als "deutlich zu hoch".

Die Dopplr-Übernahme passt in die Strategie und zu den letzten Akquisitionen des Handy-Weltmarktführers. Allein in diesem Jahr hatte Nokia mit den deutschen Unternehmen Cellity und Bit-Side sowie der amerikanischen Plum Ventures drei Firmen gekauft, die soziale Netzwerke aufgebaut haben oder Dienste für diese entwickeln.

Nokia leidet seit längerem unter einem schleppenden Handyverkauf, der zum Teil auf die Wirtschaftskrise zurückzuführen ist. Die Finnen versuchen, Umsatz und Verkauf über die Entwicklung eines eigenen Portals anzukurbeln. Über "Ovi" können Nokia-Nutzer Musik, Videos, Spiele und Kartenmaterial herunterladen. Von der Integration sozialer Netze wie Dopplr in die digitalen Navigationskarten verspricht sich Nokia viel. So könnten Reisende beispielsweise sehen, wer sich aus ihrem Freundeskreis ebenfalls in der Stadt aufhält.

Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo hatte bereits vor Jahren die Neuausrichtung seines Konzerns hin zu einer "Internet-Company"angekündigt. Seitdem befindet sich Nokia auf Einkaufstour. Eine der wichtigsten Übernahmen war 2006 der Kauf von Gate5, einem Berliner Navigationssoftware-Spezialisten. Kurz darauf übernahm der finnische Konzern mit der amerikanischen Navteq einen der weltweit größten Hersteller von digitalen Karten. Navigation mit dem Handy gilt für die Finnen als einer der Eckpfeiler der neuen Ausrichtung. In diese Navigationslösungen will Nokia auch soziale Netze einbauen. Gate5-Gründer Michael Halbherr ist heute bei Nokia verantwortlich für die Navigations- und Positionierungssoftware. Er will die Navigations- und Positionierungsangebote mit ortsabhängigen Hinweisen auf Hotels, Restaurants und Geschäfte verfeinern, wie er jüngst im Gespräch mit den Handelsblatt angekündigt hatte. Ein Dienst wie Dopplr passt da gut ins Konzept.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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