Internethandel birgt Risiken
Bundeskriminalamt warnt vor falschen Pillen

Die Produktpiraterie bei Arzneimitteln nimmt in Nordamerika und Europa rasant zu.

pt BERLIN. Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) und das Bundeskriminalamt (BKA) warnen vor einem rasanten Anstieg des Handels mit gefälschten Arzneimitteln. Nachdem das Problem in Entwicklungsländern lange bekannt sei, gebe es nun auch eine stark steigende Tendenz in Nordamerika und Europa, sagte Michaela Debus vom Schweizer Pharmakonzern Novartis in Berlin.

Weltweit schätzt der Internationale Pharmaverband den Anteil der gefälschten Medikamente auf inzwischen 7 %, Tendenz steigend. 70 % davon wurden in Entwicklungsländern, vor allem Afrika, entdeckt. Dagegen seien in Deutschland in den vergangenen 15 Jahren nur drei „Totalfälschungen“ gefunden worden, bei denen der Wirkstoff fehlte oder nur in geringer Dosis vorhanden war.

Auf den deutschen Markt kämen nur qualitativ hochwertige Fälschungen, die in der Regel über den Großhandel in die Apotheken eingeschleust würden und dort „ganz normal“ auch auf Rezept an die Patienten weitergegeben würden, berichtet Claus-Peter Holz vom Bundeskriminalamt. Abgesehen von illegal oft über Fitnesszentren vertriebenen Anabolika-Fälschungen gebe es daher hier zu Lande kaum gesundheitsschädliche Präparate. In erster Linie handele es sich vielmehr um illegale Reimporte. Das sind Produkte, die für ein Land außerhalb der EU bestimmt waren, dort aber illegal umgepackt und wieder auf dem deutschen Markt mit seinen höheren Preisen verkauft wurden.

Allerdings brächten der Internethandel, der in Deutschland vom kommenden Jahr an unter Einschränkungen erlaubt ist, und die bevorstehende EU-Osterweiterung hier noch kaum einzuschätzende neue Risiken. „Ein Großteil der hochwertigen technischen Fälschungen kommt aus Osteuropa,“ erklärte Holz. Wegen einer Lücke im deutschen Arzneimittelrecht müssten Hersteller und Vertreiber bislang kaum mit Strafen rechnen. Diese Lücke soll aber, so Barbara Sickmüller vom BPI, jetzt geschlossen werden.

Während heute nur qualitativ minderwertige Präparate verboten sind, sollen es in Zukunft auch perfekte Produktimitationen sein, sofern sie nicht als legale Reimporte aus anderen EU-Ländern nach Deutschland kommen. Außerdem wird die Strafandrohung von einem auf drei Jahre erhöht. Arzneimittel dürfen zudem in Zukunft nur noch von Großhändlern vertrieben werden, die über eine entsprechende Erlaubnis verfügen.

Derzeit reiche eine Gewerbeschein, berichtete Holz. Das Bundeskriminalamt hat ermittelt, dass rund 2 000 Großhändler nebenher auch Arzneimittel verkaufen. Sie seien bislang das Haupteinfallstor für den illegalen Handel.

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