Interview
„600 000 Autos sind keine Limited Edition“

Der GM-Europachef Alain Visser spricht im Interview mit dem Handelsblatt darüber, wie die Abwrackprämie die Aufträge für den Autokonzern beflügelt, warum der Februar keine grundlegende Trendwende für die deutsche Auto-Industrie bringt und dass er keine Verlängerung der Abwrackprämie fordert.

Herr Visser, die Händler berichten von massiver Resonanz auf die Abwrackprämie. Spürt Opel den Effekt auch?

Oh ja, und ob. Wir spüren eine extreme Nachfrage, vor allem nach unseren Kleinwagen. Schon im Januar sind die Auftragseingänge von Privatkunden bei uns um die Hälfte gestiegen. Die Nachfrage nach dem Agila hat sich sogar verdoppelt, die Bestellungen für unserem Kleinwagen Corsa haben um 70 Prozent zulegt, die für den Astra um 30 Prozent. Die Resonanz ist so groß, dass wir bereits die Kurzarbeit in den Corsa-Werken Saragossa und Eisenach wieder reduziert haben. So wird im Februar in beiden Werken wieder zwei Tage Kurzarbeit gestrichen und in Eisenach auch die ersten drei Wochen im März durchgearbeitet.

Bringt die Abwrackprämie also im Februar die Trendwende am deutschen Markt?

Da bin ich skeptisch. Ich glaube, wir werden auch im Februar noch keine grundlegende Trendwende sehen, weil zwischen Bestellung und Auslieferung immer ein paar Wochen vergehen. Persönlich erwarte ich, dass der Effekt bei den Neuzulassungen in diesem Monat, sowohl was den Gesamtmarkt als auch Opel angeht, noch sehr gering sein wird. Erst im März wird sich das spürbar in den Neuzulassungen niederschlagen. Für den deutschen Automarkt ist die Prämie ein wichtiges Signal, das auch eine psychologische Wirkung hat. Plötzlich ist es wieder richtig, sich ein neues Auto zu kaufen. Die Menschen gehen wieder in die Schauräume. Das hilft der gesamten Branche, auch wenn der europäische Automarkt – trotz solcher Prämien auch in anderen europäischen Ländern – sicher in diesem Jahr weiter runtergehen wird. Der Markt in Europa ist im Januar um 30 Prozent eingebrochen. In einer Branche, die nur einstellige Margen verdient, haben wir damit alle ein massives Problem.

Was wird aus ihrem Ziel, mit Opel wieder mehr als zehn Prozent Marktanteil zu erreichen?

Ich glaube nicht, dass wir im laufenden Jahr angesichts des schwierigen Umfeldes groß beim Marktanteil zulegen werden, auch wenn der Insignia natürlich für uns ein wichtiges Modell ist. Erst mit der Einführung des neuen Astra Ende 2009 sollten wir auch wieder beim Marktanteil zulegen können.

Schon heißt es, die Prämiensumme reicht nur noch für wenige Monate. Teilen Sie diese Sorge?

Na ja, ich bin da weniger pessimistisch. Ich weiß zwar als Marketingmann, dass eine limitierte Edition immer die Nachfrage ankurbelt. Aber das Geld reicht für fast 600 000 Fahrzeuge – und das ist nun wirklich keine Limited Edition. Ich glaube, das Geld wird sicher noch für längere Zeit reichen und ich glaube auch, dass auch der Effekt aus der Prämie nachhaltig sein wird. Das sind im Großteil keine vorgezogenen Käufe von Kunden, die sowieso dieses Jahr ein Auto kaufen wollten, sondern da kommen Leute zu den Händlern, die bisher einen Autokauf aufgeschoben hatten. Insofern muss ich der Bundesregierung ein großes Lob aussprechen: So effizient und rasch wie Berlin das gemacht hat, hat das kaum jemand in Europa hinbekommen.

Wenn das Paket so klasse ist, warum fordern Sie dann bereits eine Verlängerung der Prämie?

Gut, dass Sie das ansprechen. Ich muss da etwas klarstellen: Wir fordern keine Verlängerung der Prämie. Ich habe einzig gesagt, dass ich es unterstützen würde, wenn die Bundesregierung solche Pläne hegen würde. Aber es ist nicht an uns, irgendwelche Forderungen zu stellen.

Ist die Prämie für den Bund vielleicht kein gar nicht so schlechtes Geschäft? Schließlich kommt über die Mehrwertsteuer im Durchschnitt eine höhere Summe wieder herein als über die Prämie ausbezahlt wird?

Ich kann nur sagen, dass ich die Umweltprämie in jeder Hinsicht für ein sehr intelligentes Konzept halte (lacht).

Werden Sie denn jetzt noch einmal Geld für Marketing in die Hand nehmen, um mit der Abwrackprämie gezielt Kunden zu werben?

Nein, wir planen keine zusätzlichen Werbegelder. Die Umweltprämie ist in unseren existierenden Kampagnen eingeplant und passt sehr gut zu der bereits im Januar kommunizierten Preissenkung für viele unserer Modelle.

Sie sprechen mit der Bundesregierung über eine Milliardenbürgschaft. Kommen die Gespräche voran?

Ich kann nur sagen, dass die Gespräche sehr konstruktiv verlaufen und weiter fortgesetzt werden. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.

Wollen Sie die Marke Opel ein wenig höher positionieren, falls sich der Konzern von Saab trennen sollte?

Ich bin der Meinung, dass der neue Insignia so hoch positioniert ist, wie Opel gehen kann. Erstmals locken wir mit dem Wagen auch Kunden von Premiumherstellern an und spüren eine enorme, positive Resonanz auf den Wagen. Inzwischen haben wir bereits mehr als 60 000 Vorbestellungen für den Insignia vorliegen. Aber natürlich wollen wir das Image von Opel weiter verbessern, keine Frage. Aber aus der Marke mit dem Blitz werden wir niemals Saab machen.

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