Interview Andrey Bykov: „EnBW wird sich bis auf die Knochen blamieren“

Interview Andrey Bykov
„EnBW wird sich bis auf die Knochen blamieren“

Der Lobbyist packt aus: Mit Millionen sollte Andrey Bykov für EnBW in Russland ein günstiges Geschäftsklima schaffen. Im Interview spricht er über Scheinverträge, Geld für die Kirche - und den heiligen Nikolaus.
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Herr Bykov, Sie sind der Mann, den der Konzern Energie Baden-Württemberg auf Rückzahlung von 130 Millionen Euro verklagt. Wo ist das Geld geblieben?

Ich habe es wie vereinbart ausgegeben, vor allem für wohltätige Zwecke. In den letzten Jahren habe ich mit dem Geld der EnBW rund 700 solcher Projekte in Russland und angrenzenden Ländern finanziert, vor allem Kirchen und Denkmäler für den Heiligen Nikolaus.

Ist das Ihr Ernst? Was hat denn EnBW mit dem Heiligen Nikolaus zu tun?

Dieser Heilige ist in Russland sehr bedeutend. Und jeder, der sich für ihn einsetzt, kann im Gegenzug mit großem Wohlwollen der Behörden und höchsten Spitzen von Politik, Industrie und Militär rechnen. Das nennt man Klimapflege.

Und Sie waren der Klimapfleger.

EnBW hatte den Wunsch, große Erdgasprojekte in Russland zu beginnen. Meine Aufgabe war es, hierfür ein günstiges Klima zu schaffen. Die Hälfte der EnBW-Millionen war mein Honorar. Die andere Hälfte wurde für wohltätige Zwecke ausgegeben. 200 Kollegen waren in Russland mit dieser Arbeit beschäftigt.

Und EnBW war bekannt, was Sie tun?

Natürlich. Ein führender Manager des Konzerns saß ja im Kuratorium der Stiftung des Heiligen Nikolaus, in die das EnBW-Geld floss. Damit wurden 84 Kirchen, 30 Denkmäler, 60 Schachschulen, eine Oper und drei Orchester finanziert, dazu Dutzende von Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser, eine Million Bücher und Zeitschriften, 200 Konzerte, 20 große Wallfahrten und vieles mehr. Der 1.500 Seiten starke Zehn-Jahresbericht der Stiftung ist komplett auf der Webseite der Stiftung www.nacxa.ru zu finden.

Entschuldigen Sie, aber sind Ausgaben von 130 Millionen Euro für Denkmäler und Wallfahrten nicht ein bisschen merkwürdig für einen deutschen Konzern?

Klimapflege dieser Art ist in Russland vollkommen üblich. An meiner Arbeit war nie etwas illegal. Allerdings ist auch richtig, dass EnBW diese Pflege nötiger hatte als andere.

Wieso?

Weil der Konzern in Russland vor zehn Jahren ein ungeheuer schlechtes Image hatte. EnBW galt als unzuverlässig und nicht vertrauenswürdig.

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  • Nicht zu vergessen bei der Angelegenheit, bleibt die Rolle der fdp; denn die saß natürlich jahrzehntelang mit am Kabinettstisch. Und diejenigen, welche die Landschaftspflege mittrugen, war das nur recht, wenn andererseits für die eigene "Partnerschaft" genügend dabei herumkam. Ich fürchte, das Loch ist größer, als das, was bei der Aufarbeitung von S21 auftaucht.

    Wo die Löcher am größten scheinen, da dürfen diejenigen nicht fehlen, die gemeinhin einen Vergleich stets mit Texas aufnehmen können. Its not big enough, we have to do more.

  • Das war eine sehr schöne Recherche-Arbeit der Handelsblatt-Redaktion. Für mich ein Sahnehäubchen, aber noch nicht das letzte Puzzlestück über die Zusammenhänge zwischen angestellten Top-Managern der EnBW und ihren oberschwäbischen Gesellschaftern (OEW). Liefert eine klassische Kommunalpolitiker-Karriere für die Ausübung der Aufsicht über einen verflochtenen Konzern überhaupt das notwendige Rüstzeug? Anscheinend nicht. Denn anstelle auf sichere Dividendenausschüttungen setzten besagte Landräte lieber auf etwas mehr Nervenkitzel und die vagen Aussichten auf sprudelnde Gewinne durch den Bezug günstiger Primärenergieträger aus Russland. Man mag mutmaßen, was die primären Handlungsmotive jedes einzelnen politischen Aufsichtsrats-Mandatsträger waren. In der Fremde als Förderer der schönen Künste den Bauch gepinselt zu bekommen mag für manchen Kommunalpolitiker eine willkommene Abwechslung sein. Aber auch ehrlich gemeinte Kulturförderung möchte ich gar nicht in Abrede stellen. Das oberschwäbische Barock und eine angeborene Freigiebigkeit, die man den Oberschwaben nachsagt, mag durchaus verleiten, auch den Nachbarn kulturelle Sinnenfreuden zu gönnen. Nur ist es weder die Aufgabe eines Landrates noch die eines Aufsichtsrats, solche Kulturförderprojekte voranzutreiben. Worauf ich als Leser, Oberschwabe und ehemaliger EnBW-Mitarbeiter jetzt noch warte, ist etwas mehr Licht in die Rolle der OEW bei der Wiederbestellung des Technikvorstands Zimmer.

  • verbrecher erklären verbrechern verbrechen.
    in aller berückenden Unschuld.

    fein.

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