Interview
„Autobau steht vor einer Revolution“

Mit seinen ungewöhnlichen Prototypen ist Frank M. Rinderknecht mit seiner Firma Rinspeed Paradiesvogel und Vordenker der Autobranche zugleich. Im Interview mit Handelsblatt.com erklärt er, warum das Elektroauto eine Revolution für die Autoindustrie ist, wieso Daimler und Audi ihre Kernkompetenz verloren haben und Newcomer wie Tesla alleine nicht überleben werden.

Herr Rinderknecht, was halten Sie von dem Versuch der Autoindustrie, mit dem Elektroauto aus der Krise zu kommen?

Mit dem Elektroauto hat sich jetzt zumindest eine klare Vision in der Autoindustrie heraus kristallisiert. Alternative Treibstoffe wie Bioethanol oder Erdgas sind sehr schnell zu Nischenprodukten mutiert. Von den ungefähr 40 beim Genfer Automobilsalon präsentierten Studien hatten fast alle einen Elektroantrieb. Von Wasserstoff spricht heute niemand mehr. Die Unsicherheit der Branche hat sich gelöst. Der fast einhellige Konsens lautet: Das Auto der Zukunft ist elektrisch.

Wirklich? Es könnte doch auch einen Mix verschiedener Antriebskonzepte geben?

Nein, das glaube ich nicht. Nehmen wir als konkretes Beispiel Erdgas und Wasserstoff. Beide Technologien scheiden schon allein wegen der zu hohen Infrastrukturkosten aus. Die Autoindustrie wird sich auf einen Betriebsstoff für Autos auch deshalb festlegen müssen, weil die Hersteller nicht ein Modell mit zig verschiedenen Antriebsarten anbieten können. Das ist weder rentabel noch vom Produktionsvolumen her möglich.

Gute Nachrichten für die Stromversorger, die mit dem Elektroauto ein ganz neues Geschäftsfeld bekommen...

...wobei ich es für Unsinn halte, das Stromversorger in den Elektroautobau einsteigen.

Wieso denn das? Mit Strom kennen sich die großen Versorger doch bestens aus.

Mag ja sein. Aber warum bauen dann die großen Mineralölkonzerne wie Shell oder BP keine Verbrennungsmotoren? Die kennen sich doch auch mit Benzin und Diesel bestens aus. Nein, die Aufgabe der Stromanbieter ist die gleiche wie die der Ölkonzerne: nämlich für ein möglichst dichtes Netz an Ladestationen zu sorgen. Und dann wird es letzten Endes Marktunterschiede mit billigen und teuren Strom geben.

Und warum ist dann ein Hersteller wie Daimler mit Evonik eine Kooperation eingegangen?

Meine Erklärung, warum Autohersteller mit Stromversorgern zusammen arbeiten ist, dass die Autobranche schlicht und ergreifend auf der Suche nach Geld ist, nach Kapitalgebern für die kostspielige Entwicklung von Elektrofahrzeugen. Die Stromversorger wiederum wollen dafür sorgen, dass sich Strom längerfristig als Treibstoff etabliert. Meine Prognose lautet, dass es Kooperationen wie diese in wenigen Jahren nicht mehr geben wird. Ich sehe auch keine Vorteile darin, weder für das eine, noch für das andere Unternehmen. Und in früheren Jahren ist zum Beispiel Daimler auch keine entsprechenden Kooperation mit einem Mineralölkonzern eingegangen. Nicht zu vergessen, dass der Strommarkt dereguliert wird. In Zukunft kann Strom eingekauft werden wie jede andere Commodity auch. Leider hat sich in der Branche nun eine regelrechte Eldorado-Stimmung breit gemacht. Und wie so oft rennt nun jeder los - darunter auch Leute, die null Ahnung vom Automobil haben.

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