Interview
Bernotat fordert deutschlandweite Stromnetz AG

Eon-Chef Wulf Bernotat spricht sich in einem Interview für die Gründung einer deutschlandweiten Stromnetz AG aus. Das Nebeneinander von vier Übertragungsnetzgesellschaften sei das Ergebnis historischer Zufälligkeiten und "nie ganz optimal gewesen", sagte er dem Handelsblatt. " Jetzt biete sich die Chance, das zu ändern und durch Bündelung Synergien zu realisieren.

Handelsblatt: Herr Bernotat, Sie sprechen sich dafür aus, die vier Stromübertragungsnetze der großen Energieversorger in Deutschland in einer Netz AG zusammenzufassen. Hat sich das bisherige Nebeneinander von vier Netzgesellschaften nicht bewährt?

Bernotat: Dieses Nebeneinander war das Ergebnis historischer Entwicklungen, die noch aus Monopolzeiten herrühren. Dabei stand stets der Eigenbedarf der jeweiligen Netzbetreiber im Vordergrund, nicht aber die Gesamtversorgungssituation und der Stromtransit über Landesgrenzen hinweg. Das ist nie ganz optimal gewesen. Die Gesamtentwicklung der Netze orientierte sich nicht an einem deutschlandweiten Masterplan. Jetzt bietet sich die Chance, das zu ändern und durch Bündelung Synergien zu realisieren.

Sie haben kürzlich angekündigt, sich von Ihrem Stromübertragungsnetz trennen zu wollen. Durchkreuzen Sie damit nicht die Pläne für die Schaffung einer deutschlandweiten Netz AG?

Im Gegenteil. Damit bietet sich jetzt die Gelegenheit, die Übertragungsnetze zusammenzufassen und dadurch Effizienzgewinne zu realisieren. Sollten auch andere Netzbetreiber verkaufen wollen, macht es ja wenig Sinn, wenn jeder sein Netz an einen anderen Investor verkaufen würde.

Gehen Sie denn davon aus, dass die anderen drei Unternehmen ihrem Beispiel folgen und ihre Netze verkaufen?

Dazu kann ich nichts sagen, das müssen die betroffenen Unternehmen entscheiden. Ich halte es aber zumindest nicht für ausgeschlossen.

Mittlerweile scheint sich in der Politik die Erkenntnis durchzusetzen, dass die Netzregulierung möglicherweise zu weit geht und die Renditen der Eigentümer nicht auskömmlich sind. Sollte es zu einem Umdenken kommen, würden die anderen drei Netzbetreiber profitieren. Haben Sie möglicherweise zu früh aufgegeben?

Wir haben nicht aufgegeben, sondern eine unternehmerische Entscheidung im Sinne einer vernünftigen Güterabwägung getroffen. Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass die Vorteile für unser Unternehmen dabei überwiegen Vor allem können wir so eine wahrscheinlich lange und kräftezehrende Auseinandersetzung mit der EU-Kommission vermeiden und dadurch weitere Kräfte für unsere Weiterentwicklung frei machen.

In der Politik werden bereits Forderungen laut, die Netze zu verstaatlichen. Was halten Sie davon?p>

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