Interview
Bree: „Das ist wie in einer Ehe“

Axel und Philip Bree sind Spezialisten im Taschengeschäft. Sie leiten ein erfolgreiches Familienunternehmen. Das alte Öko-Image haben sie längst abgelegt. Im Handelsblatt-Interview sprechen sie über familiäre Gewaltenteilung - und erklären, warum ihr Vater sie als Kinder in den Boxring stellte.

In einem Auftritt bei Anne Will haben Sie kürzlich zugegeben, Außenstände bei Karstadt zu haben. Prompt rief Ihre Hausbank an. Wie sieht die Situation im Moment aus?

Axel Bree: Wir haben immer noch Außenstände von 90 000 Euro, was daraus wird, wissen wir nicht. Es gibt seit kurzem freigegebene Budgets, aber die Bestätigung aus Essen fehlt noch. Zudem kann es natürlich passieren, dass wir liefern und wieder nichts dafür erhalten.

Verlangen Sie denn keine Sicherheiten?

Axel Bree: Sicherheiten kann Karstadt nicht gewähren. Entscheidend ist, dass die guten Häuser weitergehen. Da haben wir für das zweite Halbjahr eine Menge Umsätze geplant.

Was halten Sie von der Warenhaus-Ehe, die Metro zwischen Kaufhof und Karstadt wünscht?

Axel Bree: Solange das Konzept Karstadt weitergeht, ist mir der Inhaber egal. Im Markt ist Platz genug für eine deutsche Warenhaus AG. Einen Zusammenschluss halte ich für das Vernünftigste. Wie das Ganze ausgeht, weiß ich allerdings nicht. Karstadt ist ein Trümmerhaufen.

Haben Sie das lange geahnt?

Axel Bree: Und wie. Ich habe selber dort gearbeitet, Ende der 90er vier Wochen Praktikum bei Karstadt gemacht. Schon damals war eine unglaubliche Konzeptlosigkeit zu bemerken. Das Management in Essen hat es nicht geschafft, eine Strategie aufzubauen, hinter der sie die gesamte Belegschaft in ihren Häusern wissen.

Zurück zu Ihrem Talkshow-Auftritt: An wen ging die Einladung?

Axel Bree: An mich.

War das in Ordnung für Sie als Brüder?

Axel Bree: Als wir hier angetreten sind, haben wir klar aufgeteilt, wer welche Aufgaben hat. Ich repräsentiere das Unternehmen nach außen. Bei so einer Anfrage geht es nicht immer zu zweit.

Dabei mussten Sie schon früh im Doppelpack auftreten. Warum hat Ihr Vater Sie zusammen auf Internat Schloss Buldern geschickt?

Axel Bree: Wir waren damals in einer familiär schwierigen Phase. Die schulischen Leistungen waren mittelmäßig. Von dem Leistungsprinzip dort war mein Vater begeistert. Philipp folgte deshalb zwei Jahre später.

Sie sind zwei sehr unterschiedliche Typen. Wie kann man da trotzdem brüderlich zusammenarbeiten?

Philipp Bree: Wir haben uns gesagt, dass wir uns nur am Unternehmen und an der Sache orientieren. Das ist nicht immer einfach, manchmal kommen dabei das Private und Persönliche zu kurz.

Axel Bree: Die Züge rauschen auch mal öfter gegeneinander. Letztlich aber wollen wir Erfolg haben. Hier hängen eine Menge Menschen dran.

Natürlich ist das in Ihrem Alter noch sehr früh. Aber haben Sie sich auch schon Gedanken um Ihre Nachfolge gemacht?

Philipp Bree: Wir arbeiten daran. Wenn alles läuft wie geplant und keiner umfällt, haben wir ja noch ein bisschen Zeit. Trotzdem müssen wir uns da heute schon Gedanken machen.

Axel Bree: Bei unserem Vater war nicht alles nach dem neuesten Stand geregelt. Das kann ein Unternehmen sehr in die Bredouille bringen. Mit unseren Schwestern konnten wir uns konstruktiv einigen, es hätte aber auch ganz anders kommen können.

Sie waren sehr jung als Ihr Vater starb. Wer hat Sie da angeleitet?

Axel Bree: Mein Vater hatte einen Beirat mit weitreichenden Kompetenzen für den Fall der Fälle eingesetzt. Der hat uns an das Unternehmen herangeführt aber auch getestet. Wir waren blutjung und unerfahren, der Horizont einfach begrenzt.

Philipp Bree: Es gab immer wieder Versuchungen auf dem Weg. Die Herausforderung in einem Unternehmen ist groß, wenn man zum einen als Praktikant durch alle Abteilungen läuft, und zum anderen Gesellschafter ist. Da könnte man ja mal in die und die Richtung steuern und das gegen den Geschäftsführer. Deshalb haben wir uns immer wieder mit dem Beirat ausgetauscht, auch privat.

Ihr Vater galt als Charismatiker. Werden Sie im Unternehmen noch immer an ihm gemessen?

Axel Bree: Wahrscheinlich. Aber nicht mehr so offenkundig wie nach seinem Tod. Da haben alle Mitarbei-ter gesagt: Was war das für ein toller Vater, was für ein super Typ? Damals übte das auf Nachfolger einen riesigen Druck aus. Im Zug habe ich einmal ein Schild gelesen: Wer in die Fußstapfen eines anderen tritt, hinterlässt keine Spuren. Als ich das kapiert hatte, war der Druck weg.

Wie alt waren Sie, als Ihr Vater Sie ins Unternehmen geholt hat?

Axel Bree: Anfang 20. Mir war wichtig, aus meiner Persönlichkeit heraus, dass ich nur auf Augenhöhe ins Unternehmen einsteige. Bei jemandem mit so einem Schatten wäre alles andere in meinem Falle schiefgegangen.

Philipp Bree: Die Vorzeichen waren bei mir genau die gleichen. Er hat uns das aber nie als zuverlässigen Weg aufgezeigt. Die Perspektive des Unternehmenseinstiegs war da, aber mehr auch nicht.

Sie haben nach dem Tod Ihres Vaters nicht nur einen Beirat sondern auch eine Trainerin an die Seite gestellt bekommen. Gab es einen Konflikt, wo sie ihre Hilfe wirklich brauchen konnten?

Axel Bree: Konflikte gibt es immer. Das wichtigste, was sie uns beigebracht hat, ist offene und intensive Kommunikation. Da wären wir sonst ins offene Messer gelaufen und hätten uns wahrscheinlich zerfleischt.

Was machen Sie in Situationen, wo sie unterschiedlicher Meinung sind? Als Kinder wurden Sie von Ihrem Vater in einen Boxring gestellt. Das dürfte ja heute nicht mehr funktionieren...

Axel Bree: Das Geheimnis heißt durchatmen. Ich atme, ich lebe. Klar gibt es solche Situationen, Dinge, die für mich zu dem Zeitpunkt nicht nachvollziehbar sind. Dann stockt es, dann ist eine Grenze erreicht und die Emotionen spielen wild. Das ist wie in einer Ehe.

Philipp Bree: Wir pflegen hier keine Kultur, in der wir uns anschreien. In der Regel sprechen wir die Dinge an, manchmal lassen wir sie einfach einen Tag ruhen.

Wann haben Sie zum letzten Mal gegeneinander Tennis gespielt?

Axel Bree: Schlechtes Thema.

Philipp Bree: Das musste ja kommen.

Axel Bree: Ich hab's vergessen.

Philipp Bree: Das ist auch immer ein bisschen ein Glücksfall, so ein Spiel.

Axel Bree: Ich musste an dem Tag schnell weg, nach Berlin zu Anne Will. Wie das Match ausgegangen ist, ist egal.

Philipp Bree: Das Ergebnis war 6:2, 6:4, in zwei Sätzen, klar und deutlich.

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