Interview Chempark-Chef
„Was passiert denn noch?“

Nördlich von Köln an den Ufern des Rheins produziert die Chemieindustrie in großen Mengen. Die Lebensader ist eine Rheinbrücke – und die ist jetzt für Lkw gesperrt. Über die Folgen spricht der Chemiepark-Betreiber.
  • 1

Herr Grigat, Sie betreiben Chemiestandorte mit Mietern wie Bayer und Lanxess in Leverkusen, Dormagen und Krefeld. Wie trifft Sie die Sperrung der Leverkusener Autobahn-Rheinbrücke für Lastkraftwagen?

Das trifft uns ganz erheblich. Täglich haben wir bislang 500 Lkws über die Brücke geschickt. Auch jetzt kommen zwar alle Lkws zum Ziel, aber es ist aufwendiger. Die Fuhren legen im Schnitt 20 Kilometer mehr zurück, werden teurer und belasten die nun in Anspruch genommenen Straßen zusätzlich.

Halten Sie die Sperrung für angemessen?

Ich habe die Brücke selbst besichtigt und finde die Entscheidung absolut richtig. Auch bei uns geht Sicherheit über alles.

Hatten Sie eine Vorwarnzeit?

Was die akute Sperrung betrifft, nur eine sehr kurze. Aber es gab ja schon vorher Einschränkungen für den Schwerlastverkehr über 40 Tonnen. Kranlieferungen aus Köln beispielsweise hatten dadurch Anfahrten von 120 statt 20 Kilometern zum Standort Leverkusen.

Und wie reagieren Sie jetzt auf die erweiterte Sperrung?

Wir prüfen die Verlegung von Lasten von der Straße auf Bahn und Binnenschiff. Aber das ist nur in sehr begrenztem Umfang möglich. Die Bahnstrecken sind an ihrer Belastungsgrenze und Flüsse reichen eben nicht zu den Zielen unserer Fahrten.

Was fordern Sie?

Es führt kein Weg an einem Neubau der Leverkusener Brücke vorbei. Und das muss so schnell wie möglich geschehen. Was immer wir dazu beitragen können, tun wir gerne. Eine Baustelle wird zwar erhebliche Beeinträchtigungen für die Anwohner bedeuten, aber da lässt sich nicht ändern.

Halten Sie die Investitionen in Infrastruktur generell für mangelhaft?

Wir sehen in der Sperrung schon ein Warnzeichen und fragen uns „Was passiert denn noch?“ Es gibt bereits eine ganze Reihe von Brücken mit Einschränkungen für Schwerlasten. Ich rechne mittelfristig mit weiteren Beeinträchtigungen auch für geringere Lasten - so wie an der Autobahn 1.

 
Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
Martin Dowideit
Handelsblatt / Leiter Digitales

Kommentare zu " Interview Chempark-Chef: „Was passiert denn noch?“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Was machen unsere Politiker (Farbe egal) ? Sie reden viel, kümmern sich um Presse und öffentliche Meinung, aber immer zu Themen, von denen Sie meinen, das es Ihnen selbst (und der Partei) hilft. Was unser Land braucht, sind Führungskräfte und Manager, denen Wohl und Wehe des Landes und seiner Bürger wichtig sind, und die erkennen, welche Themen von Bedeutung für diese Ziele sind. Vor allem aber auch ein vernünftiges und von der Industrie abgeschautes Projekt-Management mit professioneller Unterstützung. Dann lassen sich Pannen mit Flughafen Berlin Stuttgart 21, Energiewende vermeiden. Auch vorbeugende Instandhaltung sollte fester Bestandteil aller Infrastrukturprojekte und aktueller Strukturen sein. Warum kriegen das unsere Führungskräfte aus den Parteien nicht hin?

    Ein Betroffener

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%