Interview Daimler-Chef Zetsche
„Parteispenden sehen wir als staatsbürgerliche Pflicht“

Daimler-Chef Dieter Zetsche zweifelt, dass bei den Elektro-Ambitionen des Konkurrenten BMW „Aufwand und Nutzen in Einklang zu bringen sind“. Er verteidigt, einen Spitzenpolitiker zu Daimler geholt zu haben.
  • 12

DüsseldorfDer Autobauer Daimler sieht sich bei der Elektromobilität vor der deutschen Konkurrenz. Daimler sei im Markt sehr präsent, sagte Vorstandschef Dieter Zetsche dem Handelsblatt (Montagausgabe). „Mit rund 40 Prozent Marktanteil sind wir Marktführer bei Batteriefahrzeugen in Deutschland.“ Diese Position beruhe vor allem auf den hohen Verkaufszahlen des Elektro-Smarts. Ab dem kommenden Jahr hat Daimler auch eine elektrische B-Klasse im Angebot, die auf Technik des US-Kooperationspartners Tesla zurückgreift.

Den Vorstoß des Münchener BMW, mit der i-Serie spezielle Elektrofahrzeuge zu entwickeln, hält Zetsche für mutig. Das sei ein teurer Weg. „Wir sehen aber nicht, dass Aufwand und Nutzen in Einklang zu bringen sind.“ Den Vormarsch von Google und anderer Internetfirmen in das Geschäft mit der Mobilität fürchtet der Daimler-Chef nicht. „Daimler hat in den vergangenen 127 Jahren den nachhaltigen Beweis erbracht, ein Vorreiter im Markt zu sein“, sagte er. Aber selbst Tesla müsse noch beweisen, dass die Firma nachhaltig am Markt bestehen könne.

Die umstrittene Berufung von Staatsminister Eckhart von Klaeden zum Cheflobbyisten des Stuttgarter Autobauers verteidigt Zetsche. Diese Debatte verstehe er nicht, sagte der Chef der Mercedes-Mutter. „Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, dass unser Mann vor Ort in Berlin und Brüssel über ein gutes Netzwerk verfügen muss.“ Sonst könne der seinen Job nicht machen.

Klaeden hatte Ende Mai seinen Wechsel zu Daimler bekanntgegeben. In die Kritik geriet er, weil er als Staatsminister wiederholt an Treffen mit Vertretern der Autoindustrie teilgenommen hatte. Nach einer Anzeige prüft die Berliner Staatsanwaltschaft, ob Klaeden im Zusammenhang mit seinem Jobwechsel wegen „Vorteilsnahme“ und „Vorteilsgewährung“ ein Verfahren eingeleitet werden muss.

In dem Interview mit dem Handelsblatt wies Zetsche auch Kritik an Parteispenden zurück. Daimler spende regelmäßig an politische Parteien. „Wir sehen dies als staatsbürgerliche Pflicht und unseren Beitrag zur Entwicklung unserer parlamentarischen Demokratie an“, sagte der Daimler-Chef. Diese Spenden würden pflichtgemäß veröffentlicht. „Im Jahr 2013 erhielten CDU und SPD je 100.000 Euro von uns, FDP, Grüne und CSU je 40.000 Euro.“

Hans-Jürgen Jakobs Quelle: dpa
Hans-Jürgen Jakobs
Handelsblatt / Senior Editor
Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur

Kommentare zu " Interview Daimler-Chef Zetsche: „Parteispenden sehen wir als staatsbürgerliche Pflicht“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wenn ein Unternehmen spendet, dann steckt dahinter immer eine unternehmerische Entscheidung. Diese kann bei Spenden nur die versuchte Beeinflussung von politischen Entscheidungen zu Gunsten eines bestimmten Marktsegments oder des spendenden Unternehmens. Ein Unternehmen kann überhaupt keine politische Meinung haben. Das sind doch immer nur die Personen dahinter. Wie kommt ein Herr Zetsche dazu, Gelder des Unternehmens für seine private politische Auffassung zu verwenden, in dem er die entsprechende Partei finanziell unterstützt. Wenn er es als staatspolitische Aufgabe sieht, dann bitte an alle Parteien gleich. Ich habe eher den Eindruck, sie sollten wieder ein Stück kritischer werden.

  • Wenn man die Kommentare hier so liest, so muss man feststellen, das das Niveau in den letzten Monaten dramatisch gesunken ist.
    Die Vorwürfe der Korruption in dieser Weise sind unhaltbar und von völliger Unkenntnis der Mechanismen der Einflussnahme geprägt, die kaum über legale Spenden nötig sind.
    Es ist sicher immer ein gesundes Misstrauen angebracht, aber hinter jeder Hecke eine Verschwörung oder Korruption zu vermuten, nur weil Machtträger beteiligt sind ist paranoid und hinsichtlich des Nutzens wirklichkeitsfremd.
    Früher habe ich mich über die naive Gutgläubigkeit geärgert, heute ärgere ich mich über die selbe Naivität nur mit umgekehrten Vorzeichen.
    Und beides dient letztlich nur dem Zweck einfache ethische Vorstellungen vor der Realität zu schützen, statt sich den manchmal hässlichen Realitäten im Rahmen des Möglichen zu stellen.

    H.

  • @Alamannenkrieger,

    die Spenden des alten Flick waren nicht wegen ihrer Verteilung oder grundsätzlich ein Problem, sondern deshalb weil die Parteien illegaler Weise diese Spenden nicht legal deklariert haben.

    H.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%