Interview „Der Wettbewerb ist sehr hart geworden“

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Warum ist es denn meist schon halb Eins bevor ein Insolvenzantrag gestellt wird?

Weil Insolvenz in Deutschland - wie bei Einführung der Konkursordnung im Jahre 1877 - nach wie vor als Schande oder Makel angesehen wird. Es gibt immer noch Fälle wie den des gescheiterten Weingutbesitzers vor einigen Jahren, der nach Stellung des Insolvenzantrages sich das Leben genommen hat.

Deshalb schleichen bei Opel die Beteiligten um das Thema Insolvenz auch herum wie um den heißen Brei?

Hier liegt der Fall sicherlich anders, es wird nicht um Schande und Makel gehen. Infolge Befangenheit möchte ich mich aber zu diesem Fall nicht konkret äußern. Grundsätzlich stellt sich natürlich bei solchen Fällen die Frage, inwieweit der Staat - möglicherweise zu Lasten des Steuerzahlers - helfen darf.

Darf er?

Bei Staatshilfen für Großunternehmen dürfte oft die Gefahr bestehen zur Marktverzerrung und zu einer Ungleichbehandlung im Verhältnis zu Mittelständlern.

Also Finger weg von Staatshilfen?

Ich kann verstehen, dass die Politik manchmal Dinge tun muß bzw. tut, über die man sehr wohl diskutieren kann und die sie eigentlich nicht tun sollte. Ich war selbst in manchen Fällen Nutznießer solcher Hilfen. Bei der Maxhütte etwa oder beim Bremer Vulkan.

Was hat die Staatshilfe denn bei der Maxhütte und beim Vulkan gebracht?

Dies sind natürlich Beispiele, die nachdenklich stimmen können. Im Nachhinein muß man kritisch feststellen, daß das Sterben der Unternehmen nur verlängert wurde. Bei dieser Kritik darf aber nicht übersehen werden, daß eine Vielzahl von Arbeitsplätzen über Jahre länger gehalten werden konnten und in der Zwischenzeit neue Wirtschaftsstrukturen geschaffen wurden.

Arcandor ist leer ausgegangen und musste prompt Insolvenz beantragen.

Es ist nachvollziehbar, daß im Hinblick auf den im Falle Opel gewährten Überbrückungskredit von 1,5 Milliarden Euro die Frage intensiv diskutiert wurde, ob hier eine Ungleichbehandlung vorliegt.

Andererseits, erst die Ablehnung hat Sie als Kandidaten für die Insolvenzverwaltung bei Arcandor ins Spiel gebracht. Jetzt ist es Klaus Hubert Görg geworden. Hätten Sie den Fall gern gemacht?

Das wäre zweifellos eine große Herausforderung gewesen. Ob meine Familie hierüber begeistert gewesen wäre, ist eine andere Frage.

Das Amtsgericht Essen hat die wichtigsten Arcandor-Gläubiger befragt, wen sie als Insolvenzverwalter haben wollen. Eins äußerst unübliches Verfahren.

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