Interview
„Die Kunden sind offen für Innovationen“

Manfred Wittenstein ist Präsident des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau, sein eigenes Unternehmen stellt Antriebskomponenten her. Im Interview mit dem Handelsblatt spricht Wittenstein über die Krise in der Branche, die Chancen auf den Exportmärkten und die richtige Strategie im Abschwung.

Dem Maschinenbau brechen die Aufträge weg. Wie sieht es in Ihrem eigenen Unternehmen aus?

Wenn eine ganze Branche in der Krise ist, spüren wir das als Lieferant von Antriebskomponenten auch. Ich gehe jedoch davon aus, dass wir unseren Vorjahresumsatz erreichen werden - vorausgesetzt, die Finanzkrise ist bald gelöst.

Einer neuen Studie zufolge kann die Krise noch bis 2012 andauern.

Niemand kann gegenwärtig seriös abschätzen, wann die Krise zu Ende sein wird. Schon oft haben wir Sätze wie diesen gehört: "Der nächste gesamtwirtschaftliche Aufschwung wird lange auf sich warten lassen und nur wenig Kraft haben." Und obwohl das alles gut begründet war, ging es dann schnell wieder nach oben. Auch wenn der Einbruch jetzt so stark ausfällt, heißt das nicht, dass es erst 2012 wieder bergauf gehen kann. Ich kann und will noch nicht einmal ausschließen, dass wir bereits dieses Jahr eine erste Erholung im Auftragseingang sehen werden.

Die Unternehmen haben hohe Eigenkapitalquoten, viele sind in ihren Nischen Weltmarktführer. Warum trifft sie die Krise dennoch so hart?

Keine Frage, die Ausgangssituation ist sehr gut. Nur haben viele Unternehmen zuletzt auch in hohem Maße ihre Kapazitäten ausgeweitet, um den gewaltigen Nachfrageboom überhaupt bewerkstelligen zu können. Jetzt sind wir mit einem extrem starken Nachfrageeinbruch in eine drastische Unterauslastung hineingeraten.

Viele Unternehmen senken die Ausrüstungsinvestitionen, die Forschung aber lassen sie unangetastet. Die richtige Strategie?

Der Maschinenbau hat einen sehr geringen Anteil an externen Innovationsaufträgen. Die Aufwendungen sind also überwiegend nach innen gerichtet. Die Mitarbeiter in Forschung und Entwicklung sind das Herz der Unternehmen. Und die Kunden haben durchaus ein offenes Ohr für Innovationsprojekte und nun auch die Zeit dazu. Denn in der Hektik des Booms blieb manches auf der Strecke, das gilt auch betriebsintern für Prozessinnovationen oder Reorganisation. Viele kleine Neuerungen geht man nun an, da sie leichter zu verdauen sind. Haupttreiber bei den Investitionen bleiben solche, die sich schnell rechnen, sowie Ressourceneffizienz. Der letzte Boom hat gezeigt, wie heftig Material- und Energiepreise durchschlagen können.

Auf welchen Exportmärkten sehen sie noch Wachstumschancen?

Mittelfristig werden wir rund um den Globus wieder Wachstumspotenzial sehen. Die Frage lautet: wo zuerst? Hier spricht viel dafür, dass die besten Chancen in China liegen. Aber auch unsere Ausfuhr in andere Schwellenländer könnte bei der Erholung der Rohstoffpreise steigen. Die Industrieländer werden nachziehen. Japan und Osteuropa tun sich möglicherweise schwerer als andere.

Wo steht der deutsche Maschinenbau in fünf Jahren?

Er hat eine extrem schwierige Zeit durchgestanden und erfolgreich gemeistert. Er ist gestärkt aus der Krise hervorgegangen. Er hat die Krise als Chance genutzt: für ein erstklassiges Angebot, gerade bei Themen wie Ressourceneffizienz und Umweltschutz.

Die Fragen stellte Ingmar Höhmann.

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