Interview: EADS-Chef Noël Forgeard
„Der Streit nützt doch nur den Anwälten“

EADS-Chef Noël Forgeard über staatliche Unterstützung und die deutsch-französische Zusammenarbeit im Konzern.

Handelsblatt: Herr Forgeard, der Startschuss für die A350 sollte schon im Frühjahr fallen. Warum hat es jetzt länger gedauert?

Forgeard: Bereits im Frühjahr war klar, dass der Markt die A350 will. Aber wir hatten noch eine Frage unseres Verwaltungsrats nach den Ingenieur-Kapazitäten zu beantworten. Und vor dem Hintergrund des Streits mit den USA um staatliche Hilfen wollten wir den Regierungen auch noch etwas Zeit geben, um zu sehen, wie sich die Verhandlungen zwischen der EU und den USA entwickeln.

Brauchen Sie die staatlichen Darlehen von 1,4 Milliarden Euro für die A350?

Wir können die A350 auch ohne diese Mittel finanzieren.

Warum tun Sie es nicht?

Es geht um gleiche Wettbewerbsbedingungen für uns wie für Boeing. Unser Konkurrent nimmt gewaltige Subventionen in den USA und Japan für die 787 in Anspruch. Wir können auf rückzahlbare Darlehen zurückgreifen, wie sie das Abkommen zwischen der EU und den USA von 1992 vorsieht. Wie könnten wir unseren Aktionären erklären, dass wir uns selbst einen Nachteil zufügen?

Wie geht es weiter?

Wir wollen fruchtbare Gespräche im Beihilfestreit fördern. Die Auseinandersetzung bei der WTO nützt doch nur den Anwälten. Wir haben deshalb entschieden, dass wir im nächsten Jahr zunächst kein Geld in Anspruch nehmen werden, solange es Aussicht auf eine Verhandlungslösung zwischen der EU und den USA gibt und wenn Boeing sich auch bewegt.

Die Unterstützung für Boeing ist nicht immer klar ersichtlich. Welches Signal erwarten sie?

Ich erwarte, dass unsere Botschaft verstanden wird und zu einem ebenfalls klaren Signal auf der US-Seite führt. Eine Reihe von Hilfen für Boeing lassen sich leicht feststellen: Steuervorteile oder die Außenhandelsförderung oder Subventionen aus Japan. Genau wie wir möchte Boeing eine Lösung auf dem Verhandlungsweg und keinen Streit vor der WTO. Ich habe persönlich großes Vertrauen in James McNerney, den ich als Chef der Flugzeugmotorensparte von General Electric kennen gelernt habe. Ich respektiere ihn sehr. Aber die Verhandlungen führen natürlich die staatlichen Vertreter.

Müssen Sie sich jetzt nach einer alternativen Finanzierung für die A350 umschauen?

Wenn es so kommt, dann ist das kein Problem. Die Finanzierung ließe sich mit einer Kombination aus unserem Cashflow und herkömmlichen Krediten sicherstellen.

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