Interview
Experteninterview: „Der Fall IWKA spricht für sich“

Das Handelsblatt spricht mit Manuel René Theisen über die IWKA. Theisen ist BWL-Professor an der LMU München und Corporate-Governance-Experte.

Herr Theisen, der amerikanische Investor Guy Wyser-Pratte hat mit nur sieben Prozent der Aktien bei IWKA schon große Veränderungen bewirkt. Ist das gerechtfertigt?

Ob der Investor es besser kann und weiß als die Altaktionäre, muss er erst noch beweisen. Sie können Wyser-Pratte jedoch keinen Vorwurf daraus machen, dass er die Schwäche anderer Aktionäre nutzt. Wenn die sich nicht richtig organisieren können oder wollen, können sieben Prozent einen starken Einfluss ausüben.

Das hat mit Aktionärsdemokratie wenig zu tun.

Mit nicht einmal zehn Prozent der Aktien ein Unternehmen zu kontrollieren, das halte ich auch nicht für richtig. IWKA hat offensichtlich keine gute Corporate Governance. Wenn erst der Vorstandsvorsitzende und dann fast der gesamte Aufsichtsrat wegrennt, nur weil der Investor Wyser-Pratte laut tönt, dann spricht das schon für sich. Natürlich ist das Ergebnis unbefriedigend. Es ist aber das Ergebnis demokratischer Wahlmechanismen.

Müssen wir uns darauf einstellen, dass immer öfter Minderheitsaktionäre die Macht übernehmen? Auch bei der Deutschen Börse haben es Fonds mit kleinen Aktienpaketen geschafft, die Strategie zu ändern und den Vorstand zu feuern.

Das wird kein Massenphänomen. Die meisten der 800 börsennotierten Aktiengesellschaften in Deutschland sind fest in institutionellen Händen oder im Mehrheitsbesitz eines Einzelinvestors. Treffen wird es Unternehmen mit breitem und unorganisiertem Aktionärskreis. Der Fall IWKA wird dort sicher Schule machen, vor allem wenn Wyser-Pratte erfolgreich ist.

Aber die Interessen der Kleinaktionäre müssen doch geschützt werden?

Bei uns gilt das Prinzip „one share, one vote“. Das funktioniert nur theoretisch, weil die meisten Aktionäre ihre Stimmrechte nicht wahrnehmen. So können sie bei den meisten Publikumsaktiengesellschaften mit 25 Prozent der Aktien locker über 50 Prozent der auf der Hauptversammlung vertretenen Stimmen kontrollieren. Der Markt funktioniert hier eben nicht. Eine Alternative wäre nur ein Quoten-Stimmrecht.

Wie bei Volkswagen, wo kein Aktionär mehr als 20 Prozent der Stimmen ausüben darf?

Ob das wirklich mehr Aktionärsdemokratie bringt, möchte ich allerdings bezweifeln.

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