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Interview: Finanzinvestor: „Wir haben Märklin unterschätzt“

exklusiv Vor drei Wochen hat Märklin Insolvenz angemeldet. Seitdem vermutet die verschworene Gemeinschaft der Märklinisten Betrug, Untreue und eine groß angelegte Verschwörung bei dem 150 Jahre alten Traditionsunternehmen. Ganz oben auf der Liste der Verdächtigten: Mathias Hink, Fondsmanager des Finanzinvestors Kingsbridge Capital.

Um die Pleite von Märklin ranken sich zahlreiche Mythen. Quelle: dpa
Um die Pleite von Märklin ranken sich zahlreiche Mythen. Quelle: dpa

Handelsblatt: Herr Hink, sind Sie der Pate von Göppingen?

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Mathias Hink: Wie kommen Sie denn darauf?

Weil die Staatsanwaltschaft ermittelt. Der Insolvenzverwalter von Märklin sagt, die Struktur Ihres Unternehmens sei zur Verschleierung geeignet. Und außerdem seien bei Märklin Schweigegelder gezahlt worden.

Die Vorwürfe habe ich zur Kenntnis genommen, aber ich weiß nicht, wie der Mann auf solche Absurditäten kommt. Unser Fonds ist genauso strukturiert wie jeder andere auch. Wir haben keine Schweigegelder gezahlt, und es gab auch keine sagenhaften Gehaltssprünge, Kickbacks und was sonst noch erzählt wird.

Sie haben Märklin also nicht ausgesaugt und in die Insolvenz getrieben?

Wir haben Märklin vor der Insolvenz bewahrt, und zwar drei Mal.

Dreimal in drei Jahren?

Ja. Wir haben Märklin 2006 gemeinsam mit Goldman Sachs gekauft, als das Unternehmen kurz vor der Insolvenz stand. Wir haben dann 2007 noch mal 16,5 Millionen Euro nachgeschossen und 2008 weitere elf Millionen Euro.

Und dann haben Sie 2009 den Hahn zugedreht.

Irrtum. Das waren nicht wir, sondern die Hausbanken von Märklin.

Mit Verlaub, aber da sehen Sie ziemlich dumm aus.

Aus heutiger Sicht mag das so sein. So etwas muss auch im Zeitzusammenhang gesehen werden. Aber ich räume ein: Bei Märklin wurden Fehler gemacht. Zu denen zähle ich übrigens auch die permanente Weitergabe von Unternehmensinterna an die Presse. Das hat Märklin das Überleben deutlich erschwert und uns die Sanierung nicht gerade erleichtert.

Der Insolvenzverwalter sagt, Märklin habe allein 40 Millionen Euro an Berater verpulvert und würde ohne diese Kosten heute noch leben.

Die Zahl von 40 Millionen Euro ist völlig falsch. Es ist auch falsch, dass die Berater Märklin ausgeblutet hätten, denn wir haben ja immer wieder Geld nachgeschossen.

Herr Hink, Kingsbridge hat hochangesehene Berater, Headhunter und Wirtschaftsprüfer auf Märklin angesetzt, gut 60 Millionen in das Investment gesteckt, und jetzt ist Märklin trotzdem pleite. Das klingt nach einem großen Missverständnis...

Es wurden bei Märklin fraglos Fehler gemacht. Wir müssen heute feststellen, dass die Beratungs- und Sanierungsinstrumente, die wir eingesetzt haben, nicht ausgereicht haben. Märklin ist ein ganz spezielles Unternehmen, mit einer eigenen, schwierigen Kultur. Das haben wir unterschätzt.

Und es gab keine Rückflüsse der Beratungshonorare an Sie? Haben Sie vielleicht nicht Märklin, sondern Ihren eigenen Investoren geschadet?

Die Unterstellung ist mir bekannt, aber sie ist absurd und falsch.

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