Interview
Ford-Chef: „Wir sind keine Krisengewinner“

Bernhard Mattes ist Chef von Ford-Deutschland. Im Interview fordert er mehr Chancengleichheit für alle Autohersteller, erklärt, warum die zurzeit nicht gegeben ist – und wie die neue Bundesregierung den in Not geratenen Autozulieferern helfen könnte. Außerdem erläutert Mattes die neue Weltplattform-Strategie von Ford, die dem deutschen Standort sehr zu Gute kommt.

Herr Mattes, Ford konnte mitten in der Autokrise seinen Marktanteil von Januar bis September dieses Jahres um 0,7 Prozentpunkte steigern. Ist Ford ein Krisengewinner?

Nein, wir sind keine Krisengewinner. Aber wir haben frühzeitig unsere Hausaufgaben gemacht, etwa indem wir Anfang 2000 das Unternehmen restrukturiert und die Kapazitäten der veränderten Nachfrage angepasst haben. Daneben haben wir eine starke Modelloffensive gestartet und verfügen heutzutage über ein Produktportfolio, das zur veränderten Nachfrage passt. In Deutschland hat die Umweltprämie vor allem den Absatz von kompakten Kleinwagen beflügelt. Davon konnten wir vor allem mit Ka und Fiesta profitieren. In den ersten neun Monaten dieses Jahres ist dadurch unser Pkw-Marktanteil in Deutschland auf 7,6 Prozent und auf acht Prozent im September gestiegen. Mit 25 395 Pkw-Zulassungen ist das der beste September seit 1999.

Dann haben Sie ja bald Mercedes und Opel eingeholt und werden zum zweitgrößten Autohersteller Deutschlands. Wann ist es denn soweit?

Wir orientieren uns nicht an Ranglisten. Für uns ist wichtig, dass wir weiter profitabel wachsen und dabei die Potenziale des Marktes ausschöpfen. Ganz klar: Wir wollen ein größeres Stück vom Kuchen, und zwar in Deutschland wie in Europa. Das ist uns in den vergangenen vier Jahren mit steigenden Gewinnen auch gelungen.

So richtig glücklich kann sie der Absatzerfolg in Deutschland. ja aber nicht machen – in Europa steht Ford mit einem Absatzminus da. Ist das nicht ein Problem für einen Hersteller wie Ford, der aus Deutschland 80 Prozent seiner Autos exportiert?

Nein, sowohl das Werk in Saarlouis wie auch in Köln sind ausgelastet. In Köln haben wir aufgrund der hohen Nachfrage nach dem Fiesta zwischen März und August sogar 13 Sonderschichten gefahren. In Saarlouis werden wir bis zum Jahresende 2009 wegen der guten Auftragslage keine Kurzarbeit einführen müssen, die ursprünglich einmal geplant war. Was den europäischen Markt angeht, so konnten wir von Januar bis August 2009 in 16 von 19 Ländern unsere Marktanteile steigern. Mit einem Marktanteil von 9,2 Prozent für diesen Zeitraum konnten wir unsere Position als zweitstärkste Marke Europas festigen. Wir haben zwar insgesamt weniger Autos verkauft, konnten dafür aber unseren Marktanteil steigern. Wir hatten mit dem Juni, Juli und August in diesem Jahr sogar drei aufeinander folgende Monate, in denen wir mehr Autos absetzen konnten als 2008. Wir stehen also besser da als andere Wettbewerber. Ganz klar ist: Auch wir müssen uns auf eine weiter schwache Nachfrage einstellen.

In den USA ist das amerikanische Pendant zur Abwrackprämie, Cash for Clunkers, ausgelaufen, woraufhin der Automarkt im September wieder deutlich eingebrochen ist. Droht das nicht auch in Deutschland?

Das lässt sich erst in zwei Monaten wirklich sagen. Dann sehen wir, auf welchem Niveau sich der Auftragseingang einpendeln wird. Fürs kommende Jahr müssen wir mit einer geringeren Nachfrage rechnen. Deswegen sollten auch die Maßnahmen, die der Automobilindustrie nach Auslaufen der Umweltprämie helfen könnten, schnell umgesetzt werden. Ich denke hier etwa an die Umsetzung des Bundesfinanzhofurteils zum Verkauf von Autos an Werksangehörige. Auf Basis einer neuen Bemessungsgrundlage würde dieser noch attraktiver. Das käme allen Automobilherstellern zu Gute.

Fiat-Chef Sergio Marchionne hat davor gewarnt, die Abwrackprämien in Europa abrupt auslaufen zu lassen, weil dies schwerwiegende Konsequenzen für die Produktion in Europa haben würde. Hat er recht?

Das sehen wir auch so. Wir haben uns deswegen bei der Umweltprämie in Deutschland für ein langsames Auslaufen der Prämie oder eine Überbrückung eingesetzt. Aber es ist gut, dass dies in Frankreich der Fall ist und in Italien diskutiert wird.

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