Interview
Franz: Opel ist noch nicht soweit

Der angeschlagene Opel-Mutterkonzern General Motors wird in Europa nicht mehr vor einer Entscheidung der Bundesregierung über eine Milliarden-Bürgschaft ein neues Sparpaket auflegen. „Weder in Deutschland noch in Europa sind wir soweit, dass wir noch im laufenden Jahr zu Resultaten kommen werden“, sagte Klaus Franz, oberster Arbeitnehmervertreter von GM in Europa, dem Handelsblatt

Herr Franz, der nächste Saab 9.5 sollte nach bisherigen Plänen 2009 in Rüsselsheim gebaut werden. Erwarten Sie negative Konsequenzen aus einem möglichen Verkauf der schwedischen GM-Marke?

Franz: Nein. Ich gehe davon aus, dass der nächste Saab 9.5 hier produziert werden wird. Immerhin sind dafür alle Vorbereitungen getroffen und die Planungen abgeschlossen. Sollte Saab den Eigentümer wechseln, könnte dies schließlich auch in Auftragsfertigung geschehen.

Gibt es denn bereits erste Interessenten für Saab?

Ich gehe davon aus, dass sowohl mit Finanzinvestoren als auch industriellen Partnern bereits erste Gespräche geführt werden. Ob zu großer Zulieferer wie Magna, mit dem Saab bereits das Cabrio baut, dabei eine größere Rolle spielen kann, muss sich zeigen.

Sie sprechen derzeit mit dem GM-Management in Europa über neue Einsparungen. Wird es dieses Jahr bereits Ergebnisse geben?

Ich glaube nicht. Weder in Deutschland noch in Europa sind wir soweit, dass wir noch im laufenden Jahr zu Resultaten kommen werden. Bisher hat das Management auch noch keine Anzeichen dafür gegeben, dass an einem neuen Geschäftsmodell für das Europageschäft gearbeitet wird, was wir zur Bedingung für weitere Zugeständnisse machen.

Opel-Belegschaftsvertreter sprechen bereits von Produktionskappungen von bis zu 30 Prozent beim Kompaktwagen Astra im nächsten Jahr. Ist das realtisch?

Ich muss leider sagen, dass solche Äußerungen absolut unseriös sind und nur die Standorte und Belegschaften in Gefahr bringen. Ich kenne solche Zahlen jedenfalls nicht und muss betonen, dass die Existenz des Werkes Bochum auch in den vergangenen Jahren niemals in Frage gestanden hat. Solche Ängste zu schüren, ist fahrlässig.

Aber auch Opel wird die Produktion weiter zurückfahren. Wie wollen die Arbeitnehmer dies auffangen?

Der Konzern-Betriebsrat von Opel wird sich am Montag in Rüsselsheim treffen und seine Linie zu den absehbaren Volumenreduzierungen abstecken. Wir sehen drei Möglichkeiten: Kurzarbeit, eine Arbeitszeitverkürzung mit teilweisem Lohnausgleich oder einen Arbeitszeitkorridor.

GM braucht noch dieses Jahr vier Milliarden Dollar staatliche Hilfe, um sein Überleben zu sichern. Was passiert, wenn das Geld nicht fließt?

Dann haben wir mit der rechtzeitigen Bitte um eine Bürgschaft verantwortlich für die Beschäftigten in Deutschland gehandelt. Deshalb brauchen wir bald die Bürgschaft von Bund und Ländern. Ich habe aber das Gefühl, dass die Gespräche auf gutem Wege sind.

Am Freitag ist Betriebsversammlung in Rüsselsheim. Wird es Neuigkeiten geben?

Die Belegschaft hat ein Anrecht darauf, über den Stand der Dinge informiert zu werden - auch wenn wir noch keine Resultate vorweisen können.

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