Interview
„Ich trete zum Wohl beider Firmen an“

Rolf Koerfer ist der künftige Conti-Aufsichtsratchef. Im Interview mit dem Handelsblatt spricht der Jurist über die Zusammenarbeit mit seinem Vorgänger Hubertus von Grünberg, den Abgang von Finanzchef Alan Hippe und über die Aussichten der Autobranche.

Herr Koerfer, Sie werden künftig den Conti-Aufsichtsrat führen. Trägt die am Wochenende gefundene Lösung?

Damit können alle Seiten leben. Die Erleichterung ist groß. Wir dürfen aber das Momentum jetzt nicht wieder verlieren. In dieser schwierigen Situation ist es entscheidend, dass wir mit allen Stakeholdern zusammenarbeiten. Wir müssen nach vorn gucken.

Wie sollen Sie nach all dem Streit mit Ihrem Vorgänger von Grünberg an einem Strang ziehen?

Wir werden im Aufsichtsrat professionell miteinander umgehen. Das gilt auch für Herrn von Grünberg und mich. Es ist wichtig, dass wir zügig über ein handlungsfähiges Kontrollgremium verfügen. Jeder im Aufsichtsrat hat meine Telefonnummer und kann sich bei mir melden. Das offene, kritische Wort schätze ich sehr.

Dann geht die Arbeit los?

Ja. Bei der Integration sehe ich keine Probleme. Conti und Schaeffler sind komplementär. Wir müssen deshalb so schnell wie möglich die Logik des Zusammengehens beider Unternehmen umsetzen. Dazu führen wir die Erkenntnisse der Arbeitsgruppen in Herzogenaurach und Hannover zusammen. Das ist im Sinne der Arbeitsplätze und der langfristigen Sicherung des Automobilstandortes Deutschland. Wir können gemeinsam die Technologien für das Auto der Zukunft bereitstellen. Ich bin angetreten, um dies zum Wohle beider Unternehmen zu unterstützen. Was wir jetzt brauchen, ist Ruhe.

Conti und Schaeffler hängen an der Autokonjunktur?

...und die ist im Keller, klar. Aber ich glaube nicht, dass es das ganze Jahr lang so bleiben wird wie in den ersten Monaten des Jahres. Im zweiten Halbjahr sollte es besser werden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass auf einmal keiner mehr Autos kauft.

Conti-Chef Neumann braucht nach dem Abgang von Multivorstand Alan Hippe erst einmal zwei neue Kollegen. Warum konnten Sie Hippe nicht halten?

Die Schaeffler-Gruppe hat versucht, Herrn Hippe zu halten. Die Suche nach einem neuen Finanzvorstand und einem Chef für die PKW-Reifensparte werden wir zügig zusammen mit Herrn Neumann angehen.

Kaufen wollten Sie einen stolzen Dax-Konzern, bekommen haben Sie ein MDax-Unternehmen praktisch ohne Freefloat. Sind Sie damit zufrieden?

Natürlich hatten wir uns das anders vorgestellt. Wir werden jetzt erst einmal daran gehen, die industrielle Logik des Zusammenschlusses beider Unternehmen umzusetzen; alles andere wird die Zukunft zeigen.

Die Fragen stellte Mark C. Schneider.

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