Interview Johannes Teyssen
Eon-Chef geht bei Atomausstieg auf Konfrontation zu Merkel

Eon-Chef Johannes Teyssen hält, anders als die Regierung, einen schnellen Atomausstieg für unrealistisch. Dem Handelsblatt schildert der Strom-Manager, wie es aus seiner Sicht laufen muss.
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DüsseldorfEon-Chef Johannes Teyssen hält einen Atomausstieg vor dem Jahr 2025 für unrealistisch. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Ausstieg vor 2025 mit Blick auf Klimaziele und volkswirtschaftliche Konsequenzen realistisch ist", sagte er im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Damit widerspricht der Manager einen Tag vor der Hauptversammlung in Essen den Vorstellungen der schwarz-gelben Koalition, die zurzeit radikale Schritte zum Atomausstieg erwägt. In der Bundesregierung wird erwogen, vom bisherigen System der Reststrommengen abzukehren und ein festes Ausstiegsdatum festzulegen. Nach dem geltenden Verfahren hätten die Reaktoren die Mengen frei verbrauchen können - nun geht es um einen Ausstieg bis zum Jahr 2020, wie einflussreiche Koalitionspolitiker fordern.

Wie das Handelsblatt berichtete, haben Kanzlerin Angela Merkel mit Kanzleramtsminister Ronald Pofalla und Umweltminister Norbert Röttgen bereits den Plan eines Enddatums erörtert. Nach dem rot-grünen Ausstiegsplan würde die Kernenergie um die Jahre 2022/2023 auslaufen.

Der Eon-Chef plädiert nun immerhin dafür, nicht nur ein Mindestdatum für den Ausstieg festzulegen, sondern auch einen definierten, "ein Stück weit aber auch flexiblen Pfad mit verschiedenen Kontrollstationen". "Ich fände es sinnvoll, wenn wir nicht nur ein Ziel formulieren, sondern auch einen Pfad dorthin. Und wenn wir auf halber Wegstrecke einen Boxenstopp machen, um zu prüfen, ob wirklich alles wie geplant läuft", sagte Teyssen.

So könnte beispielsweise im Jahr 2016 geprüft werden, wie viele der 4000 Kilometer, die zusätzlich an Stromleitungen benötigt werden um die erneuerbaren Energien auszubauen, schon gebaut seien, oder wie die Strompreise bis dahin reagiert haben. Bei Bedarf könnte der Weg dann angepasst werden.

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Eon-Chef geht bei Atomausstieg auf Konfrontation zu Merkel

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Rede und Antwort auf der Hauptversammlung

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  • Hallo Herbert

    Alles richtig, was Sie sagen. Ich spreche aber von der Realität und nicht von Studien und Vorausberechnungen. Ich rede von vorgeschobenen Gründen, um den Strompreis erhöhen zu können. Und auch davon, dass die Politik hier wieder zu Gunsten der Energiekonzerne den Verbraucher abzocken wird. Die Forderung nach "umweltfreundlicher" Energie ist die Steilvorlage für steigende Energiepreise. Selbst wenn sie eigentlich fallen müssten. Die Medien werden dabei helfen, die Tatsachen zu verdrehen. Das Verbraucherverständnis für höhere Strompreise wurde schon mehrfach abgefragt. Auch hier im Handelsblatt wurde schonmal vorsorglich gefragt, wieviel mehr die Stromkunden bereit sind für ihren Strompreis zu bezahlen, für die Abschaffung der AKWs. Die Dummen schreien sofort: "Für meine Sicherheit bin ich bereit viel mehr zu zahlen." Nur dass es keine Sicherheit gibt, solange es noch genügend AKWs um uns herum gibt. Es wird einfach nur teurer. Das ist das Traurige. Das ist die Realität.

  • Hallo Alfred,

    Sie sollten nicht auf jeden billigen Trick der Atomoindustrie hereinfallen. Ob es bei einem Atomausstieg überhaupt zu einem Strompreisanstieg kommt, ist umstritten. Manche Studien kommen auf sinkende Preise, weil die Marktmacht des Oligopols der Stromkonzerne reduziert wird, andere Studien kommen auf leicht steigende Preise. Prognos hat kürzlich einen Strompreisanstieg durch einen Atomausstieg von 0,2 Cent pro kWh im besten und 0,6 Cent im schlimmsten Fall berechnet. Und zwar bis 2025. Das sind dann 0,02 Cent bis 0,04 Cent pro Jahr. Wohlgemerkt: 0,02 Cent, nicht 0,02 Euro!

    Zum Vergleich: Durch einen Wechsel des Stromanbieters können Sie bis zu 3 Cent sparen.

  • Wir dürfen eines nicht vergessen. Die Wirtschafts- und Energiekonzernbosse wollen nur ihre Geldgier befriedigen und ihre wirtschaftliche Macht demonstrieren. Sie werden sich nunmal nicht mit sinken Gewinnen und schon garnicht mit sinkenden Einkommen abfinden. Wenn also die vorausberechneten Gewinne sinken, dann wird vorsorglich der Energiepreis verteuert. Die Politiker werden es schweigend hinnehmen. Erstens sagen sie sich, dass der AKW-Gegner nunmal die Kosten für den Atomausstieg tragen muss. Denn er hat es ja so gewollt. Zweitens sitzen die Politiker mit in den Energiekonzern-Vorständen und wollen ja auch nach der Politiker-Karriere einen Frühstücksdirektoren-Job in einem Konzern haben. Und drittens bedeutet ein höherer Energiepreis auch höhere Steuereinnahmen. Der Verbraucher hat ja auch noch die Möglichkeit Energie zu sparen. Die Konzerne bekommen den Strom selbstverständlich vergünstigt. Merkel macht die Bosse reich. Der Verbraucher zahlt die Zeche. Dass es so kommt ist klar und die Schuld daran trägt der Verbraucher selbst.

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