Interview mit ABB-Chef Kindle
„Unsere Neutralität ist ein Vorteil“

Fred Kindle steht seit anderthalb Jahren an der Spitze des Technologiekonzerns ABB. Das Unternehmen hat harte Zeiten hinter sich und erholt sich gerade. Kindle verrät im Interview mit dem Handelsblatt, wie ABB sein Überleben sichert – als eines der wenigen wirklich globalen Unternehmen.

Herr Kindle, Europas Politiker bevorzugen Industriechampions. Könnte ABB davon profitieren?

In unsere Branche gibt es bereits Champions. Wir zählen uns dazu. Vielleicht sind wir sogar ein Modell für grenzüberschreitende Champions. Denn ABB ist ein Schwedisch-Schweizerischer Zusammenschluss. Und das schon seit 1988, als noch niemand das Wort Champion benutzt hat. Politische Nachhilfe braucht unsere Industrie jedenfalls nicht.

Macht Größe glücklich?

Es gibt tatsächlich Branchen, in denen der Zwang zur Größe unvermeidlich ist. Da müssen sich Unternehmen zusammenschließen, um durch Skaleneffekte Wettbewerbsvorteile zu schaffen. Bestes Beispiel dafür ist die Pharmaindustrie, wo selbst die Weltmarktführer früher nur relativ kleine Marktanteile hatten.

Dann ist es also sinnvoll, wenn europäische Regierungen Champions fordern und auch unterstützen?

Es schadet sicher nicht, wenn der Hauptsitz einiger dieser Weltspieler in Europa ist. Die Politik sollte sich aber auf Rahmenbedingungen beschränken. Nur im Ausnahmefall braucht es aktive staatliche Unterstützung. Bei Airbus hat Europa ein gutes Beispiel geliefert, dass es auch Sinn machen kann ein Gegengewicht zur ebenso subventionierten US-Konkurrenz zu schaffen. Unverantwortlich ist es aber, wenn Unternehmen nur deshalb gefördert werden, weil sie ein nationales Emblem tragen.

Der Champion ABB war nicht nur ein Erfolgsmodell.

Am Anfang war es sicher ein Nachteil, dass die ABB sehr viele Wurzeln hatte. Da konnten wir nicht mit demselben Gewicht in neue Märkte starten wie ein deutscher oder ein französischer Konzern. Heute ist die eher neutral ausgeprägte nationale Identität ein Vorteil. Wir werden als globales Unternehmen mit westlicher Technologie wahrgenommen. Das macht es Kunden in Indien oder China viel leichter, mit uns ins Geschäft zu kommen.

Während ihre Konkurrenz mit Regierungshilfe Großaufträge an Land ziehen, sitzen Sie entspannt auf der Zuschauerbank?

Die Welt funktioniert heute anders. Fehlende politische Macht im Rücken ist nicht unbedingt ein bedeutender Nachteil. Die Projekte gleisen wir mit den Kunden selbst auf. Die Politik kann natürlich helfen.

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