Interview mit Adidas-Markenchef Erich Stamminger
„Olympia dient nur der Imagepflege“

Der neue Adidas-Markenchef Erich Stamminger freut sich auf die Fußball-EM in der Schweiz und Österreich, weil dann der Verkauf von Bällen, Trikots und Schuhen deutlich anzieht. Im Interview mit dem Handelsblatt spricht er außerdem über die Olympischen Sommerspiele in Peking und Adidas' Engagement in Randsportarten.

Herr Stamminger, im Juni startet die Fußball-Europameisterschaft, im Sommer steht dann Olympia in Peking an. Welches Ereignis ist wichtiger für Adidas?

Beide Veranstaltungen sind für uns bedeutend, aber jede auf eine andere Art. Nehmen wir die Olympischen Spiele: Wir statten in Peking 100 000 Helfer und über 3 000 Athleten mit unseren Produkten aus und sind deshalb auf den TV-Bildschirmen weltweit zu sehen. Das ist gut fürs Image, aber wir verkaufen deshalb nicht sofort mehr T-Shirts oder Schuhe. Lediglich in China versprechen wir uns einen kräftigen Umsatzschub. Deshalb haben wir dort jüngst die größte Kampagne von Adidas gestartet, die es je in einem einzelnen Land gab.

Die Europameisterschaft dagegen lohnt sich richtig?

Genau, denn im Umfeld des Events zieht das Geschäft mit Bällen sowie Trikots und T-Shirts der beteiligten Mannschaften kräftig an. Aber auch Fußballschuhe verkaufen sich dann besser, weil der Sport wochenlang Mittelpunkt des täglichen Lebens ist und viele Jugendliche hinterher in die Vereine gehen.

Lassen sich die Verkaufszahlen gegenüber der Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land überhaupt noch steigern?

Ich glaube schon, denn wir haben aus 2006 gelernt. Wir haben die Partnerschaften mit den Händlern erneut verbessert. Außerdem wird Fußball immer beliebter, das gilt für die ganze Welt. Das hilft uns natürlich in vielen Ländern Asiens und in Lateinamerika.

Zurück zu Olympia. Ihre Wettbewerber haben durchgesetzt, dass ihr Symbol, die drei Streifen, nur noch ganz klein auf den Trikots zu sehen sein wird. Adidas hat deshalb bereits gedroht, sich aus Randsportarten zurück zu ziehen. Machen Sie jetzt ernst?

Wir sind in 27 von 28 olympischen Sportarten vertreten, nur Reiten machen wir nicht. Es steht nicht zur Debatte, dass wir einzelne Sportarten aufgeben. Aber wir rüsten jetzt weniger Nationale Olympische Komitees aus als früher.

Ein Rückzug auf Raten also?

Nein, wir stehen zu Olympia und sind ja auch in London 2012 wieder offizieller Ausrüster. Aber es wurde einfach zu aufwendig, die ganzen Nationalen Olympischen Komitees einzukleiden. Denn durch die Einschränkungen müssen wir jetzt für jedes Land Sonderanfertigungen produzieren. Wir können diese Verbände nicht mehr aus unserer generellen Kollektion bedienen, da es diese nur mit den drei Streifen gibt. Das lohnt sich leider nur für große Nationen.

Wie rechnet sich denn ein Engagement in Randsportarten?

Wir sind eine Marke, die es sich leistet, Ausrüstung fürs Skispringen, fürs Rodeln, Bobfahren und Fechten zu entwickeln. Natürlich verdienen wir in vielen Fällen damit kein Geld. Aber solche Sportarten sind olympisch und damit Teil unserer Keimzelle und für die Glaubwürdigkeit enorm wichtig. Das hat auch etwas mit Unternehmensgründer Adi Dassler zu tun, der für all diese Sportarten Produkte entwickelte und oft selbst ausprobierte.

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