Interview mit Allan Rushforth
„Hyundai kommt genau zur richtigen Zeit“

Während die meisten Autohersteller in Europa durch ein Tal der Tränen gehen, steht Hyundai blendend da. Im Interview erklärt der stellvertretende Europa-Chef Allan Rushforth, warum die Südkoreaner in der Krise wachsen, wieso die Abwrackprämie vorbildlich ist und weshalb Hyundai an Opel kein Interesse hat.

Herr Rushforth, haben Sie Bundeskanzlerin Angela Merkel bereits zur Verlängerung der Abwrackprämie gratuliert?

Ich konzentriere mich lieber auf die Dinge, die ich direkt beeinflussen kann - Politik gehört leider nicht dazu.

Aber die Abwrackprämie wirkt sich doch positiv auf Hyundai aus?

Ja, das tut sie sehr deutlich. Die Abwrackprämie ist sicherlich in der gegenwärtigen Situation nützlich, sie hilft vor allem den Händlern, in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit am Leben zu bleiben. Der Erfolg von Hyundai im ersten Quartal dieses Jahres lässt sich allerdings nicht nur auf die Abwrackprämie zurückführen.

Die Abwrackprämie ist in Deutschland nicht unumstritten. Wie stehen Sie dazu: Sinnvoll oder nicht?

Ich stehe der Abwrackprämie eher neutral gegenüber. Denn eines ist klar: Die erzielten Verkaufs- und Umsatzerfolge von heute werden uns im kommenden Jahr fehlen. Allerdings stimuliert die Prämie den Automarkt aber auch genau zu einer Zeit, in der dies tatsächlich notwendig ist. Und in der Art und Weise wie sie in Deutschland angelegt und organisiert worden ist, ist sicherlich vorbildhaft für andere europäische Länder. Die Abwrackprämie ist klar formuliert und die erzielten Ergebnisse liegen auf der Hand.

Mag sein, aber was antworten Sie Kritikern, die sagen, dass vor allem ausländische Hersteller wie Hyundai von der Abwrackprämie profitieren?

Zweifellos verkaufen wir von Jahr zu Jahr mehr Autos und konnten unseren Marktanteil in Deutschland deutlich steigern. Aber blickt man auf die Gesamtvolumina, nimmt sich unser Wachstum im Vergleich zu dem von Volkswagen oder Ford eher bescheiden aus. Die einheimischen Hersteller profitieren durchaus sehr ordentlich von der Abwrackprämie. Unsere Performance ist im Vergleich dazu gar nicht mehr so außergewöhnlich.

Aber im westeuropäischen Markt gibt es bis auf Hyundai nur sehr wenige Hersteller, die in einem schrumpfenden Markt zulegen konnten. Wie erklären Sie sich dieses Wachstum?

Ehrlich gesagt sind wir von unseren steigenden Verkaufszahlen nicht überrascht. Hyundai kommt als Marke und mit seinen Produkten genau zur richtigen Zeit. Heutzutage spielt zum Beispiel das Preisleistungsverhältnis eine zunehmend größere Rolle für viele Menschen - und genau da liegt eine unserer Stärken. Und dann gibt es da ja auch noch die auf den CO2-Ausstoß eines Fahrzeugs bezogenen Kfz-Steuern, die bereits im vergangenen Jahr zu einem exponentiellen Wachstum von fast acht Prozent im Kleinstwagensegment geführt haben. Schließlich hat Hyundai in den vergangenen 18 Monaten auch noch eine ganze Reihe neuer Kleinst-, Klein- und Kompaktwagen auf den Markt gebracht - also genau zum richtigen Zeitpunkt. Alles zusammen genommen hat Hyundai wirklich nach vorne gepusht.

Kleinwagen sind ja schön und gut, nur von kleinen Autos mit niedrigen Margen allein kann ein Autohersteller auch nicht leben. Wie sieht es mit den anderen Autosegmenten aus?

Das ist richtig. Die Wiederbelebung von Hyundai in Europa wird drei Stufen durchlaufen. In der ersten befinden wir uns gerade. Hier ist es unser Ziel, unsere traditionelle Stärke im SUV-Segment - das noch Ende 2007 den Großteil unserer Verkäufe ausgemacht hat - durch kleine Autos zu ersetzen. Diesen Kurs werden wir noch die nächsten zwölf Monate weiterfahren. Im ersten Quartal kommenden Jahres werden wir dann anfangen, vier neue Autos aus anderen Segmenten auf den Markt zu bringen. Glücklicherweise wohl zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Weltkonjunktur anfangen dürfte zu erholen. So oder so wird sich dadurch unser Produktmix erheblich verbessern.

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