Interview mit Arend Oetker
„Ich bleibe deutscher Steuerzahler“

Arend Oetker im Gespräch: Der Industrielle und BDI-Vize über die Misere des Hochschulwesens, die Arbeit der neuen Regierung, seine Bielefelder Verwandtschaft und die Probleme von Familienunternehmen in Deutschland.

Handelsblatt: Herr Dr. Oetker, Sie sind Präsident des einflussreichen Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft. Ist es ein Schritt in die richtige Richtung, um jungen Menschen den Weg ins Berufsleben zu ebnen, wenn man – wie in Frankreich versucht – den Kündigungsschutz für Berufsanfänger abschaffen will?

Arend Oetker: Um neue Arbeitsplätze in Deutschland zu schaffen, ist es aus meiner Sicht sehr hilfreich, die Probezeit zu Beginn eines Arbeitsverhältnisses auf bis zu zwei Jahre zu verlängern. Das sieht der Koalitionsvertrag übrigens bereits vor. Für junge Leute ist es doch viel besser, wenn die Einstellungshürden niedrig sind und sie sich im Beruf beweisen dürfen, statt ohne Job außen vor zu bleiben.

Ein Anliegen von Ihnen ist, die Studienzeiten zu verkürzen. Was kann man dagegen tun, dass Studierende erst mit knapp 30 Jahren ihren akademischen Abschluss schaffen?

Auf Grund der Bevölkerungsentwicklung in Deutschland brauchen wir dringend mehr Studierende, die aber nicht mehr so lange wie bisher studieren sollten. Die Teilung des Studiums in einen Bachelor-Abschluss, der in kürzerer Zeit erworben werden kann, und einen Master-Abschluss, der beispielsweise den bisherigen Diplom-Prüfungen entspricht, ist der richtige Weg.

Ist die Einführung von Studiengebühren sinnvoll? Sollten nicht allein Begabung und Fleiß statt der Einkommensverhältnisse der Eltern die Ausbildung bestimmen?

Studiengebühren sind notwendig, um die Qualität der Lehre zu verbessern. Außerdem soll den Studenten deutlich gemacht werden, dass ein Studienplatz ihnen etwas „wert“ sein muss. Warum erhebt man Kindergarten-, aber keine Studiengebühren? Wenn man Studiengebühren erhebt, müssen jedoch die entsprechenden Stipendienmodelle gleich mit angeboten werden. Hier ist auch die Wirtschaft gefordert.

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