Interview mit Aufsichtsrat Stein
Deutsche Alstom-Mitarbeiter völlig verunsichert

Die Beschäftigten des französischen Alstom-Konzerns in Deutschland haben keinen Schimmer, was aus ihnen wird. Im Interview spricht Klaus Stein von der IG Metall Mannheim über die große Verunsicherung der Mitarbeiter.
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Die 8600 Beschäftigten des französischen Alstom-Konzerns in Deutschland werden oft vergessen, wenn über den Industriepoker zwischen Siemens und General Electric berichtet wird. Mit dem Handelsblatt spricht Klaus Stein, 2. Bevollmächtigter der IG Metall Mannheim und Mitglied im Holding-Aufsichtsrat von Alstom Deutschland, über die Hoffnungen und Ängste der deutschen Angestellten in der Übernahmeschlacht.

Handelsblatt: Herr Stein, hat heute bei Alstom in Mannheim heute irgendjemand gearbeitet?

Klaus Stein: Nein. Wir hatten eine Betriebsratsinformation mit der gesamten Belegschaft. Heute gehen wir zwar nicht in die Innenstadt, was wir ja schon zweimal gemacht haben. Aber die Beschäftigten werden heute die Arbeit wohl nicht mehr aufnehmen.

Wie ist die Stimmung?

Bei der Belegschaft, immerhin 1800 Menschen allein hier in Mannheim, herrschen große Verunsicherung und Angst. Es ist sehr schwer, das Angebot von Siemens und Mitsubishi zu werten, da dort von einer Zusicherung von Arbeitsplätzen bisher nicht die Rede ist. Das Angebot von General Electric (GE) liegt konkret noch gar nicht vor. Ich würde gerne über Fakten reden. Aber wir beziehen unser Wissen aus der Zeitung.

Das heißt, Sie und der Betriebsrat werden vom Management gar nicht auf dem Laufenden gehalten? Es herrschte ja schon vor Bekanntwerden des Übernahmeangebots ein rauer Ton…

Das ist richtig. Ein Management, von dem wir nicht wissen, ob es morgen noch da ist, hat einfach den Beschäftigungssicherungsvertrag gekündigt - man weiß nicht, ob in vorauseilendem Gehorsam gegenüber GE oder aufgrund einer Markteinschätzung. Die Tatsache, dass Patrick Kron (der Alstom-Konzernchef) schon seit Monaten mit GE verhandelt, lässt uns zur ersten Möglichkeit neigen.

Müsste nicht der deutsche Aufsichtsrat einschließlich der Arbeitnehmervertreter informiert werden?

Dafür gibt es keine juristische Grundlage. Und sagen wir so, das Management tut nichts über die juristischen Grundlagen hinaus.

Wäre das GE-Übernahmeangebot nicht attraktiver, weil Alstom Deutschland dann in seiner Gesamtheit an den neuen Eigentümer ginge?

Alstom Deutschland bliebe keinesfalls erhalten. Es würde in die Unternehmensstrukturen von GE eingegliedert. Zusagen für Arbeitsplätze hat GE nur gegenüber Frankreich gemacht. Man kann spekulieren, dass dies auf Kosten deutscher Arbeitsplätze geschehen würde.

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