Interview mit Bayer-Chef Wenning
„Schuldzuweisungen bringen nichts“

Werner Wenning sieht noch keine Zeichen für eine Besserung der Krise. Im Handelsblatt-Interview spricht der Bayer-Chef außerdem über das zunehmend gespannte Verhältnis zwischen Wirtschaft und Politik, die Kritik an Deutsche Bank-Chef Ackermann und über die eigene Branche.

Herr Wenning, aus der Politik gab es immer wieder Kritik an der Wirtschaft, besonders an den Banken und einzelnen Vertretern. Sie waren auch jüngst beim Krisentreffen mit der Kanzlerin dabei. Wie beurteilen Sie das Verhältnis von Wirtschaft und Politik?

Es gibt ohne Zweifel den Willen, gemeinsam gegen die Auswirkungen der Krise vorzugehen. Viele Menschen machen sich Sorgen – deshalb sind Politik und Wirtschaft gleichermaßen mit Lösungen gefordert. Gegenseitige Schuldzuweisungen helfen da allerdings nicht weiter.

Können Sie das präzisieren?

Nur ein Beispiel: In dem Versuch, die Gründe für die Wirtschaftskrise rückblickend zu interpretieren, scheinen mir die Aussagen einiger führender Politiker sehr stark geprägt vom beginnenden Wahlkampf. Speziell deren Kritik an Deutsche-Bank-Chef Ackermann war weder sachlich begründet noch moralisch vertretbar. Hier wurde jemand nur Kraft seines Amtes zum Buhmann für eine ganze Branche gestempelt. Die Verlängerung seines Vertrages bis 2013 halte ich nicht nur für eine gute Lösung für die Deutsche Bank, sondern auch für den gesamten Finanzplatz Deutschland.

Worum ging es denn im Kanzleramt?

Im Wesentlichen um eine Analyse der jetzigen Situation und die recht düstere Prognose für die Konjunktur in diesem Jahr. Vor diesem Hintergrund sprachen wir auch über die so genannte Kreditklemme. Ich persönlich bin der Meinung, dass wir eine Verbesserung der gesamtwirtschaftlichen Situation nur dann erreichen können, wenn das Eigenkapital der Banken gestärkt wird. Wir müssen also auch das Thema der so genannten toxischen Finanzprodukte lösen. Das ist eine Grundvoraussetzung, um den Finanzkreislauf wieder besser in Gang zu bekommen. Interessant war auch die Aussage der Forschungs-Institute, dass die Bundesrepublik heute der größte Stabilisierungsfaktor in der Weltwirtschaft ist. Deutschland erzeugt im Ausland eine jährliche Nachfrage in der Größenordnung von 100 Milliarden Euro.

Halten Sie weitere Konjunkturpakete für notwendig?

Wir sollten zunächst einmal abwarten, welche Auswirkungen die bereits verabschiedeten Maßnahmen zeigen. Ich halte nichts von einem weiteren Konjunkturprogramm. Schließlich geht es auch in der Krise darum, die langfristigen Folgen nicht aus den Augen zu verlieren. Wir dürfen die nachfolgenden Generationen nicht noch stärker belasten – die Verschuldung des Staates ist sicherlich schon jetzt mehr als ausgereizt.

Es wird derzeit auch viel über Managerhaftung gesprochen, die Koalition plant da ja eine deutliche Verschärfung. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Leider ist die aktuelle Diskussion von Populismus geprägt. Verschärfte Haftungsbedingungen mögen gut klingen, verbessern die Situation aber nicht. Ich glaube nicht, dass sich die Entscheidungen der Manager in den Unternehmen auch nur ein Deut ändern, wenn wir strengere Haftungsregelungen einführen. Es wird sich doch niemand ernsthaft fragen, was denn die D&O-Versicherung dazu sagen würde. So etwas zu denken, ist absolut abwegig. Überhaupt: Warum ist Deutschland eigentlich Exportweltmeister? Warum haben sich immer mehr ausländische Investoren im Laufe der vergangenen Jahre in Deutschland engagiert? Ich glaube, weil sie auch Vertrauen in das Management deutscher Unternehmen haben.

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