Interview mit Bernhard Mattes: Ford-Chef: 27 Millionen Autos zu viel auf dem Markt

Interview mit Bernhard Mattes
Ford-Chef: 27 Millionen Autos zu viel auf dem Markt

Es ist eine gigantische Zahl und ein Symbol für die Krise der Autoindustrie: Ford-Deutschlandchef Bernhard Mattes warnt davor, dass die Überkapazitäten auf dem Automarkt schon in naher Zukunft auf bis zu 27 Millionen Autos ansteigen. Er schließt nicht aus, dass auch der Kölner Autohersteller noch auf Kurzarbeit gehen muss. Den Weg von Opel will Mattes hingegen nicht beschreiten. Er hat andere Pläne.

Handelsblatt: Herr Mattes, braucht Ford ähnlich wie andere Autohersteller Hilfe von der Bundesregierung?

Bernhard Mattes: Die Umsetzung unserer laufenden Pläne funktioniert ohne Staatshilfe. Um allerdings unsere Investitionen in Zukunftstechnologien noch weiter zu beschleunigen, würden wir gemeinsam mit anderen europäischen Herstellern gerne den Kreditrahmen nutzen, der bei der Europäischen Investitionsbank EIB in Brüssel zur Verfügung steht. Da befinden wir uns in Gesprächen, um Mittel für unsere Forschung und Entwicklung von besonders umweltfreundlichen Fahrzeugen zu erhalten.

Um welche Summe geht es?

Die Vergabe ist projektgebunden und die Bank bewilligt Beträge erst nach Prüfung. Bei uns geht es um einen dreistelligen Millionenbetrag.

Dann sind die viel kritisierten Rettungsfonds der europäischen Regierungen und auch der Deutschlandfonds der Bundesregierung also sinnvoll?

Ja, denn es geht vor allem um Garantien, um den Unternehmen Zugang zum Kapitalmarkt zu ermöglichen. Wenn wir als Firma Ford zwar nicht von der Bundesregierung, aber von der EIB zinsgünstige Kredite bekommen können, um unsere Forschung und Entwicklung zu unterstützen, dann streben wir das natürlich an.

Gibt es Ihrem Eindruck nach eine Kreditklemme?

Schauen wir uns die Fakten an: Die Kreditversicherer haben ihre Tätigkeit deutlich zurückgeschraubt, aber sie sind wichtig, wenn es darum geht, die gesamte Wertschöpfungskette in unserem Geschäft zu finanzieren inklusive der Lieferanten. Hier liegt meiner Meinung nach ein klarer Ansatzpunkt für ein staatliches Eingreifen, damit die Kreditversicherer ihr Geschäft wieder in vollem Umfang aufnehmen.

Mussten Sie schon Lieferanten stützen, um Ihre Produktion nicht zu gefährden?

Sagen wir einmal so: Wir arbeiten jetzt noch intensiver mit einigen zusammen als vorher.

Mit Blick auf GM und Opel sieht es so aus, als ob mit Hilfe des Steuerzahlers das Unternehmen vor dem Untergang bewahrt wird. Verhindert der Staat durch sein Eingreifen eine ansonsten fällige Marktbereinigung?

Ich sehe das nicht so, weil ich zwischen Kredit und Subvention unterscheide. Subventionen für ein Geschäftsmodell ohne Zukunft wären sinnlos, da stimme ich Ihnen zu. Aber hier geht es darum, Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten oder wiederherzustellen - je nach Bewertung. Natürlich müssen dann auch die Kapazitäten der Nachfrage angepasst werden.

Wie schlimm wären die Auswirkungen für andere Hersteller, wenn einer der großen Autobauer vom Markt verschwindet?

Wenn ein großes Unternehmen mit großem Volumen und starker Nachfrage auf der Lieferantenebene vollständig aufhören müsste, dann hätte dies Einfluss auf die gesamte Wertschöpfungskette bis hin zu anderen Autoherstellern. Das war auch einer der Gründe, warum Ford in den USA Chrysler und GM voll mit ihrem Anliegen um Staatshilfe unterstützt. Wenn im Falle eines Konkurses die gesamte Wertschöpfungskette bricht, hat keiner etwas gewonnen.

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