Interview mit BMW-Finanzvorstand Micheal Ganal
„Rückenwind verspüre ich nicht“

Michael Ganal ist seit einem Jahr Finanzchef bei BMW. Im Handelsblatt.com-Interview nimmt der Jurist Stellung zu den Sparplänen und Aussichten des Autobauers, möglichen Kooperationen und der Frage, warum BMW nun ausgerechnet die Forschungsausgaben zurückfährt.

Handelsblatt: Herr Ganal, vor rund einem Jahr sind sie Finanzchef von BMW geworden. Damals stand der Aktienkurs bei 45,38 Euro, heute ist er unter 30 Euro. Deprimierend, oder?

Michael Ganal: Auf den ersten Blick lässt die Kursentwicklung natürlich zu wünschen übrig. Aber da sind wir nicht allein, die BMW Group macht gemeinsam mit der gesamten Autobranche 2008 ein extrem schwieriges Jahr durch. Die Frage lautet deshalb: Wie haben wir uns gegenüber dem Wettbewerb geschlagen? Und da heißt die Antwort, dass wir uns besser entwickelt haben als die meisten unserer Konkurrenten. Und unsere Aktie hat Potenzial, da wir mit unserer Strategie Number One bereits einiges auf den Weg gebracht haben. Außerdem stehen wir erst am Anfang unserer Effizienzmaßnahmen.

Die Investoren haben auf ihre Gewinnwarnung im zweiten Quartal geschockt reagiert. Sind damit nun alle schlechten Nachrichten in diesem Jahr verdaut?

Zunächst einmal war diese Gewinnwarnung erforderlich, um den aktuellen Marktveränderungen und den Informationsanforderungen Rechnung zu tragen. Diese Transparenz wurde grundsätzlich honoriert. Dennoch haben uns manche als notorische Optimisten bezeichnet - andere wiederum warfen uns vor, wir würden die Situation zu schwarz malen. Wir haben bewusst kein Worst-Case-Szenario unterstellt - sondern ein realistisches, auf Basis der aktuellen Fakten.

Heißt das: Eine weitere Erhöhung der Risikovorsorge wegen der schmelzenden Restwerten von Leasingautos ist 2008 noch drin?

Im Moment sehen wir keine Erholung der Restwerte für die zurückkommenden Fahrzeuge aus dem Leasinggeschäft. Im ersten Halbjahr haben wir deshalb die Rückstellungen dafür bereits auf knapp 600 Millionen Euro erhöht. Zudem können wir nicht ausschließen, dass wir die Risikovorsorge in der zweiten Jahreshälfte noch einmal aufstocken müssen. Neben der bekannten Marktlage in den USA hat sich insbesondere in Großbritannien, Italien und Spanien die Situation eingetrübt. Unser Ziel einer Umsatzrendite von mindestens vier Prozent im laufenden Jahr wäre aber selbst in diesem Fall nicht gefährdet.

Fliegt Ihnen jetzt um die Ohren, dass Sie ihren Absatz in der Vergangenheit über aggressive Leasingraten aufgepumpt haben?

In der Tat ist in der Vergangenheit unser Umsatzwachstum deutlich stärker ausgefallen als die Zuwächse beim Ergebnis. Das hat uns nicht überall Lob eingebracht.

Müssen Sie sich als langjähriger BMW-Vertriebschef da auch Kritik Gefallen lassen?

Aus damaliger Sicht war es absolut folgerichtig, die guten Restwerte für attraktive Leasingraten zu nutzen. Das hat uns insbesondere im wichtigsten Einzelmarkt USA hohe Wachstumsraten beschert. Dass sich dort gleich mehrere Faktoren so negativ entwickeln würden und die Restwerte nach unten ziehen, hatte so niemand auf der Rechnung.

Doch nun zahlt BMW den Preis für das rasante Wachstum. Steht das Schlimmste noch bevor?

Aus heutiger Sicht wird 2009 für die Automobilindustrie erneut ein sehr anspruchsvolles Jahr. Wir werden aber auch in dieser schwierigen Situation ein gesundes Unternehmen bleiben.

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