Interview mit Daniel Vasella
Novartis-Chef: „Große Zukäufe kein Thema“

Daniel Vasella, Chef des Schweizer Pharmakonzerns Novartis, hält derzeit allenfalls kleinere Zukäufe zur Ergänzung bestehender Geschäftsfelder für denkbar. Im Handelsblatt-Interview spricht er zudem über den zukünftigen Zuschnitt des Konzerns die Perspektiven der Arzneimittelforschung, kritische Aktionäre und gute Corporate Governance.

Herr Vasella, Sie sind der dienstälteste CEO der Pharmabranche. Was hat Sie in den zwölf Jahren, seit Sie die Führung von Novartis übernommen haben, am stärksten überrascht?

Am meisten erstaunt hat mich die Entwicklung gewisser amerikanischer Pharmafirmen. Das hätte ich so nicht erwartet.

Sie meinen zum Beispiel die Probleme beim Marktführer Pfizer?

Unter anderem. Immerhin wurde zu gewisser Zeit davon gesprochen, dass Pfizer einmal eine Billion Dollar Marktkapitalisierung haben würde. Es schien damals auch undenkbar, dass wir als Novartis einmal eine höhere Bewertung erreichen könnten als Merck & Co. Doch heute sind wir mit einem Börsenwert von rund 140 Mrd. Dollar fast doppelt so viel wert wie Merck & Co und auch höher bewertet als Pfizer.

Dabei musste auch Novartis im vergangenen Jahr einige Rückschläge wegstecken.

Der Patentablauf bei mehreren wichtigen Produkten hat unser Pharmageschäft im letzten Jahr sicherlich gebremst. Aber wir stehen auf einer breiteren Basis als viele Konkurrenten und verfügen über genügend Nachschub aus der Forschung. Nachdem wir in den letzten Jahren massiv in die biologische Pipeline investierten, haben wir im Moment eigentlich zu wenig Ressourcen, um alle Projekte schnell und optimal voranzubringen.

Insgesamt ist die Innovationskraft der Pharmabranche aber weit hinter früheren Erwartungen zurückgeblieben.

Diese Entwicklung hat mich im Grunde nicht so sehr überrascht. Denn es gibt immer wieder dramatische Fortschritte in der Pharmaforschung, dann aber wieder Phasen mit nur marginalen Verbesserungen.

In welcher Phase bewegt sich die Branche zur Zeit?

Im Moment ist es eher etwas ruhig in der Produktentwicklung. Aber das ganze Potenzial der Genetik ist ja bei weitem noch nicht erschlossen. Da ist noch viel Übersetzungsarbeit zu leisten, bis man weiß, welche Anwendungen daraus entstehen können. Aber nach und nach verstehen wir die intra- und interzelluläre Kommunikation immer besser, und damit auch die Mechanismen, die für Gesundheit und Krankheit eine Rolle spielen.

Wann werden denn daraus konkrete Produkte hervorgehen?

Das ist letztlich unberechenbar. Die neuen Entwicklungen kommen meist dann, wenn man nicht mehr daran glaubt. Nehmen Sie das Beispiel der monoklonalen Antikörper. Die wurden in den 80er Jahren bereits gefeiert. Dann gab es Fehlschläge und alle sagten: Das funktioniert nie. Und schließlich kamen die Produkte doch. Ich bin überzeugt: Das, was logisch ist, wird auch passieren. Aber wann und unter welchen Umständen, das kann ich Ihnen nicht sagen.

Inwieweit belasten die erhöhten Sicherheitskriterien der Behörden den Forschungsprozess?

An die höheren Standards im Hinblick auf Nutzen und Nebenwirkungen müssen wir uns anpassen, wobei die US-Behörde FDA wesentlich extremer ist in ihren Anforderungen als die europäische Arzneimittelbehörde Emea. Das beeinflusst weniger die Forschungsprozesse selbst, als die Auswahlkriterien für unsere Projekte. Hier müssen wir höhere Hürden einbauen, um zu vermeiden, dass wir viel Geld in Medikamente investieren, die am Ende nicht zulassungsfähig sind.

Angesichts der Innovationsflaute rechnen viele Beobachter mit neuen Großfusionen in der Branche. Wieso ist eigentlich so wenig passiert?

Es ist ja durchaus einiges passiert. Aber es waren eher mittelgroße Firmen, die verschwunden sind, und nicht so sehr die ganz großen Unternehmen, die fusionierten oder sich aufkauften.

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