Interview mit dem Lockheed-Martin-Chef Robert Stevens
„Das Militär kann am besten helfen“

Im Interview mit dem Handelsblatt spricht der Lockheed-Martin-Chef Robert Stevens über das Rüstungsgeschäft. Die Nummer eins der Kriegstechnik will vermehrt zivile Geschäfte machen.

Sie waren selbst ein Mitglied des berühmten Marine Corps, der Elite-Einheit der amerikanischen Streitkräfte ...

…(Stevens lacht) das gebe ich in so einem Forum ja nicht gerne zu...

…verfolgen sie, wie es den Marines heute im Irak ergeht?

Klar denke ich immer noch an das Marine Corps. Das war eine prägende persönliche Erfahrung. Ich war damals sehr jung, kam gerade von der High School. Wer einmal beim Militär war, weiß was es bedeutet, weit von zu Hause weg zu sein, eine Aufgabe an der Front zu übernehmen. Ich will natürlich, dass die jungen Leute, die heute unserem Land dienen, die beste Ausrüstung zu ihrem Schutz haben.

Haben sie die im Irak?

Sicher. Und sie wird kontinuierlich verbessert. Man kann viel über die Mängel im System schreiben. Aber ich glaube nicht, dass dies auf die gesamte Bandbreite unserer militärischen Ausrüstung zutrifft. Es hat große Fortschritte beim Schutz der Soldaten gegeben, auch in der Kommunikation. Früher gab es jemanden, der nur dafür zuständig war, die Batterie eines Funkgerätes zu tragen. Jetzt können die Soldaten in Echtzeit während ihres Vorrückens eine Vielzahl von Daten senden und empfangen.

Die Karriere: Robert J. Stevens steht seit August 2004 an der Spitze des Managements von Lockheed Martin. Gleichzeitig ist der 54-Jährige auch Chairman des Konzerns. Zuvor war er in verschiedenen Führungspositionen bei Lockheed tätig, unter anderem als Chef der Strategieabteilung des Konzerns und als Finanzvorstand. Der Ingenieur ist Mitglied des US-Beratungsgremiums Council on Foreign Relations. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Das Unternehmen: Lockheed Martin ist das führende Rüstungsunternehmen in den USA. Mit einem Umsatz von 35 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr und einem Auftragsbestand von 75 Milliarden Dollar gilt der Konzern auch als der größte militärische Ausrüster der Welt. Lockheed hat 130 000 Beschäftigte und ist Generalunternehmer beim bislang teuersten US-Rüstungsprojekt, dem Kampfflugzeug Joint Strike Fighter. Das Programm, an dem sich auch andere Länder wie Großbritannien beteiligen, kommt auf geschätzte Gesamtkosten von über 200 Milliarden Dollar.

Die Strategie: Noch ist das US-Rüstungsbudget üppig, aber Stevens will den „zivilen Bereich“ von Lockheed ausbauen: Dazu zählt neben IT-Produkten für die Verwaltung und die Regierung vor allem der Bereich Heimatschutz.

Aus der Erfahrung im Irak: Welche Lockheed-Produkte werden denn verstärkt nachgefragt?

Ein Beispiel sind Simulationssysteme. Wir sind heute in der Lage, für Soldaten, die ein leichtes Transportfahrzeug wie ein Humvee fahren müssen, eine 360 Grad Simulation zu erzeugen, die sie sehr realitätsnah auf einen Einsatz zum Beispiel in Falludscha vorbereitet. In dem Programm gibt es viele Leute auf engen Straßen, Kinder, Haustiere...

Und Terroristen?

Natürlich gibt es auch Aufständische. Das System hilft, den Stress beim ersten richtigen Einsatz zu mindern. Die Tatsache, dass die Nachfrage danach hoch ist, zeigt auch, wie gut diese Technologie geworden ist.

Simulationen, Netzwerke, Elektronik. Trotzdem sind über 2000 US-Soldaten im Irak gestorben. Die USA können ihre Soldaten wohl doch nicht schützen?

Natürlich brauchen wir andere gepanzerte Fahrzeuge, solche, die besser auf die aktuellen Umstände abgestimmt sind. Aber das schließt doch das andere nicht aus. Was hilft es denn, einen Soldaten in ein neues Vehikel zu setzen und ihn dann aber nicht richtig darauf vorzubereiten, wie man es einsetzt und auf welche Situationen er mit ihm treffen kann?

Seite 1:

„Das Militär kann am besten helfen“

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%