Interview mit Erich Klemm
„Nicht Türöffner für China spielen“

Der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende und Gesamtbetriebsratschef von Daimler Chrysler, Erich Klemm, über die Krise der US-Sparte, die Risiken einer Kooperation mit den chinesischen Autoherstellern und die Vorteile von Großaktionären.

Handelsblatt: Herr Klemm, Sie haben als Vertreter der Arbeitnehmer 1998 der Fusion mit Chrysler zugestimmt. Würden Sie das heute immer noch machen?

Klemm: Wir haben nach dem Wissensstand entschieden, den wir damals hatten. Zu dem damaligen Zeitpunkt war es eine richtige Entscheidung. Falls Sie also fragen: „War es falsch?“ lautet meine Antwort: Nein. Wir haben nach bestem Wissen und Gewissen entschieden.

Der Sanierungsplan sieht den Abbau von 13 000 Jobs vor. Warum haben Sie dem zugestimmt?

Erst einmal muss ich Sie korrigieren: Wir haben nicht dem Stellenabbau zugestimmt, sondern nur die Mittel bewilligt für den Restrukturierungsplan. Aber natürlich wissen wir, was das bedeutet. Maßgebend war für uns aber, was unsere Kollegen in den USA dazu sagen. Und auch dort ist klar, dass ein solcher Schritt derzeit nötig ist, um nicht noch mehr Arbeitsplätze zu gefährden.

Die US-Gewerkschaft UAW sprach von einer verheerenden Nachricht, Sie warnten vor einem finanziellen Abwärtsstrudel durch Chrysler. Geht da ein Riss durch das Gewerkschaftslager?

Absolut nicht. Im Gegenteil: Ich bin froh, welch große Einigkeit zwischen uns, der amerikanischen Gewerkschaft UAW und der kanadischen CAW bei diesem Thema herrscht. Gemeinsam fordern wir eine Wachstumsperspektive für Chrysler. Allein durch Sparen kommt das Unternehmen nicht wieder auf die Füße. Es kann doch nicht weiterhelfen, alle zwei Jahre einen massiven Stellenabbau anzuordnen.

Was halten Sie von der Position der UAW, Chrysler im Gegensatz zur US-Konkurrenz keine Zugeständnisse bei den Gesundheitskosten zu gewähren?

Falls Sie glauben, dass ich den US-Kollegen Druck mache, bei Tarifverhandlungen nachzugeben, schätzen Sie die Rolle eines Belegschaftsvertreters falsch ein. Natürlich haben wir mit der UAW darüber gesprochen. Aber wenn UAW-Chef Ron Gettelfinger sagt, dass es in einem Land, in dem immer mehr Menschen ohne Krankenversicherung dastehen, zu den Aufgaben einer Gewerkschaft zählt, eine ordentliche Gesundheitsversorgung für ihre Mitglieder sicherzustellen, dann muss ich sagen: Er hat Recht.

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