Interview mit Henning Gebhardt, Leiter für deutsche Aktien bei DWS
Interview: „Es wird nicht leicht“

Henning Gebhardt ist Leiter für deutsche Aktien bei DWS, der Fondgesellschaft der Deutschen Bank. Im Interview spricht er über den Abgang von Jürgen Schrempp und die Zukunf von Smart.

Handelsblatt:Die Börse feiert den Abgang Schrempp’s. Welche Hoffungen hegen die Anleger?

Henning Gebhardt: Die Börse hat sich einen Wechsel schon seit langem gewünscht, damit ein frischer Wind in das Unternehmen kommt. Nun erwartet sie, dass der eingeschlagene Restrukturierungskurs fortgesetzt wird und die Profitabilität von Daimler-Chrysler endlich steigt.

Wird der Wechsel an der Unternehmensspitze auch Veränderungen der Führungskultur nach sich ziehen?

Einen entscheidenden Richtungswechsel wird es sicher nicht geben. Mit den neuen Köpfen kommen aber neue Ideen. Und nicht zuletzt kann die neue Spitze für einen wirklichen Motivationsschub in der Belegschaft sorgen. Darüber hinaus hat der neue Daimler-Chef, Dieter Zetsche, Chrysler in den vergangenen Jahren erfolgreich geführt und es bleibt zu hoffen, dass ihm dies auch im Gesamtkonzern gelingt.

Wie hoch sind die Hürden, die er überwinden muss?

Leicht wird es sicher nicht. Zum einen lassen sich die vorherrschenden Produktivitätsprobleme nicht über Nacht lösen. Vor allem hinkt Mercedes da deutlich BMW hinterher. Dafür ist ein ganzes Bündel von Ursachen verantwortlich. Zum anderen weht ihm ein starker Wind von der Konjunkturseite entgegen. Sowohl in Europa als auch in Amerika gibt es Absatzprobleme. Verkäufe werden nicht selten mit erheblichen Preisnachlässen erkauft.

Also hat Schrempp einen Scherbenhaufen hinterlassen?

Schrempp muss man zugute halten, dass er in seiner Zeit an der Konzernspitze aus einer diversifizierten Holding ein fokussiertes Automobilunternehmen gemacht hat. Die überraschend guten Quartalszahlen zeigen zudem, dass die unter ihm und dem Mercedes-Chef Cordes angestoßenen Restrukturierungen Wirkung zeigen.

Was sind die größten Baustellen?

Da ist vor allem die Mercedes Car Group mit den Marken Mercedes und Smart. Mercedes sollte schnellstens zu altem Profitniveau zurückgeführt werden. Smart ist von einem Gewinn weit entfernt.

Welche Zukunft prognostizieren Sie Smart unter dem neuen Chef?

Vor allem die Stückzahlen fehlen. Auch sind die neuen Produkte nicht so erfolgreich wie erhofft. Es bleibt zu hoffen, dass der Durchbruch doch noch kommt, obwohl ich skeptisch bin. Wenn hier keine Besserung eintritt, muss das Management in Erwägung ziehen, den Bereich zu verkaufen oder zu schließen.

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