Interview mit Klaus Franz
„Von einem VEB Opel halte ich wenig

Der Betriebsratschef von Opel sagt dem Handelsblatt, warum er Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer für einen Krisenpopulisten hält, wieso sich Opel nicht selbst helfen kann – und warum sich der Autohersteller kaum von GM abspalten lässt.

Herr Franz, wie sehen Sie die Chancen für eine Bürgschaft der Regierung nach ihren Treffen in Berlin?

Ich schätze die Bereitschaft sehr hoch ein. Aus zwei Gründen: Einmal gibt es über alle Parteigrenzen hinweg eine große Sympathie der Traditionsmarke Opel gegenüber. Dann ist der Fall Opel einfach singulär, weil wir das Problem haben, dass wir als 100prozentige GM-Tochter überhaupt keinen Zugang zum freien Kreditmarkt haben.

Hat Opel genug Zeit, um auf eine Entscheidung bis Weihnachten zu warten?

Ja, auf jeden Fall. Opel ist liquide, das muss ich nochmals betonen. Es ist unser Mutterkonzern GM, der in der Krise ist.



Aber was passiert, wenn GM noch in diesem Jahr Insolvenz anmeldet?

Genau aus diesem Grunde bin ich als stellvertretender Opel-Aufsichtsratschef verpflichtet, rechtzeitig Vorsorge zu treffen. Aus diesem Grund haben wir sehr frühzeitig mit dem Bundesfinanzminister Kontakt aufgenommen, um für diese Situation gewappnet zu sein. Damit wenn der Riese General Motors fällt, wir nicht mit in den Abgrund gerissen werden.

GM-Europachef Carl-Peter Forster nannte es unwahrscheinlich, dass der Bürgschaftsfall eintritt. Sehen dies angesichts des Schieflage des Mutterkonzerns ebenso optimistisch?

Ich bin äußerst skeptisch. Die Situation in den USA ist momentan sehr schwierig. Derzeit besteht die Gefahr, dass Ford, Chrysler und General Motors zwischen der Bush-Adminstration und dem künftigen Präsidenten Barack Obama zerrieben wird - und George Bush verbrannte Erde hinterlässt.

Sie haben sich gestern bei SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier mit den anderen Betriebsratschefs der deutschen Autobauer getroffen. Glauben Sie, Opel bleibt ein Einzelfall?

Da müssen Sie die anderen Hersteller fragen. Ich kann mich da nicht einmischen.

Experten wie der Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer zweifeln, ob sich Opel retten lässt. Verstehen Sie diese Skepsis?

Das verstehe ich überhaupt nicht. Ich habe nur Zweifel, ob Herr Dudenhöffer ein Finanzexperte ist. Nach meiner Meinung ist er ein Krisenpopulist, der sein Fähnchen nach dem Wind hängt.

Lässt sich wirklich sicherstellen, dass eine staatliche Bürgschaft für Opel in Deutschland bleibt?

Ja, das lässt sich absolut sicherstellen, indem dies entsprechend gesellschaftsrechtlich vereinbart wird. Das lässt sich über Wirtschaftsprüfer und Verträge sicherstellen.

Wirtschaftsexperten fordern bereits eine direkte Beteiligung des Bundes bei Opel. Würden Sie das befürworten?

Ach, nein. Von einem VEB Opel halte ich wenig (lacht).

Viele Arbeitnehmer plädieren für eine Herauslösung von Opel aus dem Konzern. Ist das ein gangbarer Weg?

Für diesen Gedanken habe ich viel Sympathie. Aber: Wir sind im Jahre 2008 in einer globalisierten Welt – und GM würde uns überhaupt nicht rauslassen. Warum? Weil wir die zweitgrößte Marke im GM-Verbund sind und die Entwicklungsverantwortung in Europa für die Modelle haben, die in Zukunft in den USA gefragt werden.

Wäre denn Opel allein überhaupt lebensfähig?

Ganz alleine ist schwierig, weil sie das Volumen von Opel allein zu gering ist, um die Deckungsbeiträge zu erzielen, um die enormen Entwicklungskosten umzulegen. Stellen Sie sich vor, ein Gramm Co2 zu verringern, kostet im Schnitt 30 Millionen Euro. Das heißt, wir müssten Allianzen und Partnerschaften angehen.

Haben die Gespräche in Berlin auch Konsequenzen für die laufenden Verhandlungen über ein Sparpaket bei Opel?

Wir haben im Moment keine weiteren Gespräche geführt. Die Verhandlungen sind momentan ausgesetzt.

Wann sehen wir im Fuhrpark der Bundesregierung den ersten Insignia?

Als wir vom Kanzleramt weggefahren sind, standen ungefähr 15 Leute des Fahrservices um den neue Auto herum und waren begeistert von dem Modell. Ich denke, unser Vertriebschef muss jetzt ein gutes Angebot machen.

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