Interview mit Konzernchef Paul Bulcke
Nestlé verteidigt Nespresso-Kapseln

Nestlé-Chef Konzernchef Paul Bulcke kämpft mit steigenden Rohstoffkosten und Preiskämpfen in den Supermärkten. Im Gespräch mit Handelsblatt Online erklärt er, warum er trotzdem am schwachen Wasser-Geschäft festhält.
  • 1

Nestlé-Chef Konzernchef Paul Bulcke teilt ein Problem mit der gesamten Nahrungsmittel-Industrie: Steigende Rohstoffkosten und Preiskämpfe in den Supermärkten belasten das Geschäft in Westeuropa. Im Gespräch mit Handelsblatt Online erklärt er, warum er trotzdem am schwachen Wasser-Geschäft festhält – und warum Nespresso besser ist als starker Kaffee vom Italiener.

Handelsblatt: Europa hat bei Ihnen die schwächste Marge und das geringste Wachstum. Drängen sich Desinvestments nicht auf?

Paul Bulcke: Nein. 60 Prozent unseres Umsatzes kommen aus Industrieländern. Premiummarken und die alternde Bevölkerung beispielsweise bieten Potenziale. Nahrung macht in Deutschland nur noch elf Prozent des Familienbudgets aus – es waren mal 60 Prozent. Wenn man dem Verbraucher ein gutes Produkt anbietet, dann gibt es auch Wachstumschancen.

Zumindest Wasser ist in ihrem Portfolio ein Fremdkörper: Es hat geringe Margen, und es ist nicht forschungsgetrieben.

Wasser ist komplex: die richtige Quelle finden, die richtige Qualität, die richtige Flasche, die richtige Logistik. Man kann sich dort einen Wettbewerbsvorsprung erarbeiten.

Gibt es etwas, das Sie 2011 bei Wasser tun für bessere Gewinne?

Ja, wir wachsen schnell in den Schwellenländern, die gute Zahlen bringen. Aber wir haben so starke Marktpositionen in der westlichen Welt, dass die Erfolge in den Schwellenländern relativ gesehen nur gering zu Buche schlagen.

Sind alle Wasser-Marken in Europa für Sie essentiell?

Ja. Sie fragen doch auch keine Mutter welches ihr Lieblingskind ist.

Sie halten eine Beteiligung an L’Oreal. Wie geht's damit weiter?

Unsere Position zu L’Oreal ist bekannt.

Können Sie sich vorstellen, dass Kosmetik oder Reinigungsmittel ein Teil von Nestlé werden – etwa über Zukäufe?

Unsere Strategie ist klar auf Lebensmittel ausgerichtet. Aber ich sage niemals nie. Die Welt verändert sich.

Machen Ihnen die drohenden Patentabläufe bei Nespresso im Jahr 2012 keine Sorgen?

Wir investieren in neue Technik bei Nespresso und somit in neue Patente. Generell sind wir für Wettbewerb, aber wo Konkurrenten unser Rechte verletzen, gehen wir juristisch vor. Wir wollen einen Wettbewerbsvorteil bei der besten Tasse Kaffee haben. Kaffee ist Kultur, Freunde, Lebensqualität. Das müssen wir dem Konsumenten mitteilen.

Geht es also um Markenführung? Schließlich gibt es in Italien seit Jahrzehnten guten Kaffee ohne Nespresso.

Ja, den gibt es zwar, aber die traditionellen Maschinen sind nicht sehr ökologisch, weil sie immer heiß sind, egal ob sie genutzt werden oder nicht. Der Kaffeesatz setzt sich im Abfluss fest und färbt das Wasser schwarz. Unsere Alu-Kapsel dagegen sichert das Aroma und lässt sich wiederverwerten. Nespresso verursacht nur 75 Prozent der Umweltbelastung eines Filterkaffees – ob's Sie's glauben oder nicht.

Aber Sie widersprechen mir nicht, wenn ich Ihnen zur Markenstrategie gratulierte, die den hohen Nespresso-Preis ermöglicht?

Das ist ein ehrbares Geschäft, für dessen Einnahmen ich mich nicht schäme. Leute kaufen Nespresso nicht allein wegen der Tasse Espresso. Es ist das individuelle Sortiment verschiedener Sorten handverlesener Bohnen, die technisch ausgefeilten Kapseln und Maschinen, der Nespresso-Club und die -Boutiquen – es ist ein Gesamtpaket. Und im Café würden sie mehr zahlen: Wir machen ein sehr gutes Angebot.

Kommentare zu " Interview mit Konzernchef Paul Bulcke: Nestlé verteidigt Nespresso-Kapseln"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Nespresso, thats what I like!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%