Interview mit MAN-Chef
„Zukunft ist wichtiger als Tradition“

Ehedem war MAN ein Konglomerat mit Schwerpunkt Maschinenbau. Heute dominiert der Lastwagen-Bau. Den Wandel vorangetrieben hat Konzernchef Hakan Samuelsson. Im Interview mit dem Handelsblatt spricht er über die Zukunft des Unternehmens nach dem jüngsten Verkauf der Druckmaschinensparte MAN-Roland.

Herr Samuelsson, mit dem Verkauf Ihrer Druckmaschinensparte MAN Roland sind Sie kein Konglomerat mehr. Dürfen wir gratulieren?

Es geht nicht um Konglomerate, um Finanzpopulismus oder darum, wie man Analysten zufrieden stellt. Es geht um industrielle Logik: Und zentrale Frage war, ob wir genügend Ressourcen besitzen, um die Drucksparte mit voller Kraft weiterzuentwickeln. Wir haben uns entschieden: Es ist für Roland und uns besser, wenn wir uns komplett trennen.

Komplett?

Die Lösung, die wir gewählt haben, bedeutet Kontinuität für MAN Roland. Wir machen einen Schnitt und verkaufen das Unternehmen an eine ganz neue Gesellschaft, an der wir dann einen Anteil von 35 Prozent übernehmen. So bleiben wir als reiner Finanzinvestor noch beteiligt, MAN wird überdies im Namen bleiben. MAN Roland selbst kann dadurch flexibler und agiler am Markt tätig sein. Es hängt nicht mehr an unserer Finanzierung und wird selbst Fremdkapital einwerben.

Traditionskonzern erhält neue Struktur

Das Unternehmen: MAN ist einer der letzten großen deutschen Mischkonzerne. Bei dem 1758 als Eisenhütte gegründeten Unternehmen stand lange Zeit der Maschinenbau im Vordergrund, daher der Name Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg. Heute dominiert der Bereich Nutzfahrzeuge den Konzern und stellt mit 7,3 Mrd. Euro die Hälfte des Konzernumsatzes. Die Druckmaschinensparte MAN Roland ist weltweit der zweitgrößte Anbieter mit einer sehr starken Stellung bei großen Rollenoffset-Maschinen zum Beispiel für den Druck von Zeitungen.

Der Chef: Der schwedische Manager Hakan Saumuelsson kam 2000 von Scania nach München und übernahm die Nutzfahrzeugsparte. Seit Januar 2005 ist er Vorstandsvorsitzender der MAN. Der 54-Jährige trimmt MAN auf Rendite, jeder Bereich erhält klare Vorgaben. Samuelsson will MAN auf vier Kernbereiche rund um Transport und Mobilität ausrichten. Er verkaufte Randbereiche, verlegte die Fertigung der defizitären Bussparte in die Türkei und plant ein neues LKW-Werk in Polen. Der Versuch, den Dieselmotorenhersteller MTU Friedrichshafen zu erwerben scheiterte.

Der Verkauf: MAN und die Beteiligungsfirma der Allianz ACP gründen ein Gemeinschaftsunternehmen, das MAN Roland übernimmt. MAN beteiligt sich mit 35 Prozent an dem Joint Venture. Später soll Roland an die Börse gebracht werden. Dafür muss weiter saniert werden. Nach mehreren Verlustjahren schreibt Roland zwar wieder Gewinne, erfüllt aber nicht die Renditevorgaben.

Herr Samuelsson, MAN ist deutsche Maschinenbautradition pur, Roland ist über 150 Jahre alt. Mussten Sie für den Verkauf hart kämpfen?

Wenn man so wie ich als Neuling in das Unternehmen kommt, dann hat man Respekt vor der Tradition. Es hat viel Überzeugungsarbeit gebraucht. Aber es ist keine Entscheidung gewesen, die ich alleine getroffen habe, es war ein Beschluss des gesamten Vorstandes und des Aufsichtsrates. Tradition ist wichtig, aber es geht jetzt um die Zukunftsfähigkeit des Konzerns. MAN konzentriert sich auf die Wachstumsgebiete Transport und Mobilität.

Was hat der Verkauf in die Kasse gebracht?

Wir werden einen ordentlichen Marktpreis bekommen. Die Verhandlungen sind noch nicht abgeschlossen.

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