Interview mit Markus Flik
"Sparen allein macht nicht gesund"

Der auf Motorkühlung und Fahrzeugklimatisierung spezialisierte Stuttgarter Autozulieferer Behr setzt auf Expansion. Das Handelsblatt sprach daher mit Firmen-Chef Markus Flik über den Behr-Einstieg in den US-Markt.

Auch ihr Halbjahres-Bericht ist geprägt von der größten Akquisition der Firmengeschichte: Behr hat im vergangenen Jahr von Daimler-Chrysler das Werk Dayton Thermal Products in den USA erworben. Mit dem Standort, an dem Klimageräte und Kühlmodule hergestellt werden, übernahm der Konzern auf einen Schlag 2000 Mitarbeiter und 600 Millionen Dollar Umsatz. Was bedeutet dieser Schritt für Behr?

Das wichtigste: Einschließlich der 250 Millionen Dollar, die wir in den USA bereits umgesetzt hatten, kommen wir mit Behr Dayton Thermal Products unter die Top vier der Rangliste der amerikanischen Kühler- und Klima-Zulieferer. Damit haben wir eine gesunde Basis, weiter zu expandieren. Abseits der Zahlen sind wir zudem nicht zu stolz, von den amerikanischen Kollegen zu lernen, zum Beispiel, wenn es um einfache, zuverlässige und hoch standardisierte technische Lösungen geht.

Gleichwohl greifen sie tief hinein in die Daytoner Strukturen.

Das ist richtig. Nach drei Jahren bei Behr wird Behr Dayton Thermal Products komplett neue Prozesse und Produkte haben. Einerseits ist Kostensenkung in unserer ganzen Gruppe, besonders aber vor dem Hintergrund der Rabattschlacht im US-Automarkt, ein Top-Thema. Auf der anderen Seite müssen wir attraktive Produkte bieten, die es unseren Kunden, den Autoherstellern, erlauben, neue Modelle mit der starken Differenzierung herauszubringen, die der Markt von ihnen fordert. Sparen allein macht nicht gesund.

Wer sind Ihre wesentlichen Konkurrenten im US-Markt?

Das sind vor allem die beiden Zuliefer-Riesen Delphi und Visteon, die sich ja bereits unterschiedlich weit von ihren einstigen Müttern General Motors und Ford abgenabelt haben. Unser Ziel ist es gleichfalls, einen wachsenden Umsatzanteil mit US-Kunden außerhalb des Daimler-Chrysler-Konzerns zu erzielen. Und dabei haben wir schon erste Erfolge zu verbuchen. Wir sollten auch nicht vergessen: Im Lkw-Markt sind wir Marktführer - in Europa ebenso wie in den USA.

Und die nächsten Schritte?

Nun, in Dayton haben wir noch einiges an Integrationsarbeit zu leisten - 2004 wird dort das Jahr der Bewährung. Aber unser Blick ist auch schon nach Asien gerichtet. In Japan haben wir zwei Joint ventures, die gut anlaufen. Und in China stehen wir gerade in Verhandlungen über ein Joint venture.

Die Fragen stellte Joachim Weber.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%