Interview mit Martin Winterkorn
VW-Chef zeigt Porsche die Grenzen auf

VW-Chef Martin Martin Winterkorn hat trotz der anstehenden Übernahme durch Porsche seinen Führungsanspruch für den Wolfsburger Konzern angemeldet. Im Handelsblatt-Interview spricht er über den Ärger um das neue Autoreich der Familien Porsche und Piëch, das Unverständnis der Politik für die Autoindustrie, das VW-Engagement bei den Olympischen Spielen in Peking und seinen Einsatz im Fußball.

Herr Winterkorn, steht vor Ihrem Haus in der Nähe von Braunschweig bereits ein Porsche?

Die aktuellsten Fahrzeuge des Volkswagen-Konzerns stehen in meiner Garage, denn ich will alle testen. Derzeit ein Scirocco und ein Tiguan von Volkswagen, ein R8 Zehnzylinder von Audi sowie der neue Ibiza von Seat. Wenn ich Porsche fahren möchte, bekomme ich jederzeit ein Testfahrzeug von Porsches Entwicklungsvorstand Wolfgang Dürheimer. Meist einen 911er, der für mich nach wie vor ein Traumwagen ist.

Ab Herbst sind Sie Teil des Porsche-Reiches. Bis dahin will der Sportwagenbauer Ihren Konzern schlucken. Werden dann Entscheidungen nicht mehr in Wolfsburg, sondern in Stuttgart getroffen?

Eines ist doch ganz klar. Operativ wird der Volkswagen-Konzern auch künftig von seinem Vorstand in Wolfsburg geleitet und von seinem Aufsichtsrat kontrolliert. Die Porsche SE, unter deren Dach die VW-Beteiligung verwaltet wird, trifft auch künftig keine operativen Entscheidungen für den Autokonzern Volkswagen. Da gibt es klare Spielregeln. Das Herz von Volkswagen schlägt weiter in Wolfsburg.

Dafür wird der Rhythmus immer wieder durch Konflikte gestört. Zuletzt überschattete der Streit Ihrer Großaktionäre Porsche und Niedersachsen die guten operativen Zahlen von VW. Da ballt man als Vorstandschef doch die Faust in der Tasche!

Natürlich beschäftigt uns das, aber es behindert uns nicht. Schade ist, dass in der Berichterstattung unsere großen Erfolge von diesem Thema übertönt werden. Aber das operative Geschäft wird nicht belastet, wir arbeiten an neuen Modellen, eröffnen neue Fabriken, verbessern Strukturen.

Droht ein langer Kampf um die Macht bei VW?

Ich gehe heute davon aus, dass der Streit zwischen unserer Arbeitnehmervertretung und Porsche um die Mitbestimmung in der Porsche SE außergerichtlich geregelt wird. Der Konflikt zwischen Porsche und Niedersachsen könnte wohl vor Gericht gehen.

Befürworten Sie ein neues VW-Gesetz?

Ob es ein neues VW-Gesetz gibt oder nicht, entscheidet der Gesetzgeber - und nicht ich.

In Sachen Klimawandel bekommt die Autoindustrie den Arm der Politik zu spüren. Kommen Sie auf dem Weg zu einer verbindlichen EU-Regelung für die CO2-Grenzwerte von Neuwagen voran?

Insgesamt halte ich die Situation in Europa für ziemlich unübersichtlich. Beinah jedes Land macht derzeit einen Alleingang. Fast jeder Staat schützt, vornehmlich mit nationalen Regelungen seine eigene Industrie, macht Industriepolitik an Stelle von Umweltpolitik. Nur wir Deutschen wollen offenbar mal wieder alles ganz richtig machen. Andere sind da jedenfalls sehr viel nationalbewusster.


»  Tabelle: Geschätzte Absatzentwicklung der Automobilbranche von 2008 bis 2020

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