Interview mit Nick Reilly
„Opel kann Audi nicht kopieren“

Nick Reilly ist der Herr der roten Zahlen bei General Motors. Denn anders als der US-Autobauer schreibt dessen deutsche Tochter Opel weiter Verluste. Als Opel-Chef muss Reilly schnell die Gewinnzone erreichen. Der Druck aus Detroit steigt. Im Interview spricht der Manager über den Zwang, früher als geplant schwarze Zahlen zu schreiben und wie er Opels Image aufpolieren will.
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Handelsblatt: Herr Reilly, das Europageschäft von Opel ist derzeit der einzige Bereich im Mutterkonzern General Motors, der rote Zahlen schreibt. Wie groß ist in der GM-Konzernzentrale in Detroit die Ungeduld mit Rüsselsheim?

Nick Reilly: Selbstverständlich erwartet der Mutterkonzern, dass wir Resultate vorlegen. Wir müssen zeigen, dass die Grundlage unseres Geschäftsplans tragfähig ist - und das möglichst bald.

Wie schnell ist bald?

Der Sanierungsplan sieht für das kommende Jahr noch Verluste vor und ab 2012 wieder Gewinne. Aber ich habe natürlich den Ehrgeiz, besser zu sein, als der Plan es vorsieht. Für die Mitarbeiter wird es aber keine neuen negativen Überraschungen geben. Es bleibt beim Stellenabbau von rund 8 000 Mitarbeitern in Europa.

Und was passiert, wenn Sie den Plan nicht erfüllen können? Werden Sie dann auch persönlich Konsequenzen ziehen?

Das ist eine sehr hypothetische Frage. Aber natürlich muss man sich an seinen Worten messen lassen.

Müssen Sie sich nicht zuletzt auch wegen des bevorstehenden Börsengangs von GM in den USA an Ihren Worten messen lassen? Wie sicher sind Sie eigentlich, dass die US-Investoren die Milliardenaufwendungen für die Opel-Sanierung akzeptieren werden?

Ich glaube nicht, dass es da einen direkten Zusammenhang gibt. In den vergangenen Monaten ist klar geworden, welch große Bedeutung gerade Opels Europageschäft für den gesamten Konzern hat - das würde auch allen Investoren bei einem möglichen Börsengang einleuchten.

Opel versucht nun zum dritten Mal in zehn Jahren einen Neustart. Erst wollte man flotter, dann moderner und schließlich profitabler werden. Geklappt hat das nicht. Was ist in der Vergangenheit schiefgelaufen?

Wir sollten nicht vergessen: In den 90er-Jahren hat das Unternehmen zeitweise gutes Geld verdient. Dennoch ist Ihre Frage berechtigt. In der Vergangenheit hat es bei Opel bisweilen am Risiko-Management gefehlt. Darüber hinaus sind wir womöglich bei der Kostensenkung nicht aggressiv genug vorgegangen. Wir haben auch einige andere Fehler gemacht - beispielsweise wohl die CO2-Debatte unterschätzt und uns auch noch Qualitätsprobleme eingehandelt. Als dann die Folgen spürbar wurden, haben wir nicht immer an einem Strang gezogen. Bei uns gab es eine gewisse Opfermentalität: Schuld waren im Zweifelsfall immer die anderen. Das hat sich jetzt allerdings geändert.

Das Image von Opel ist insbesondere in Deutschland ramponiert. Sagen Sie uns doch bitte in zwei Sätzen, wofür Opel in Zukunft stehen soll?

Opel ist für mich eine Marke, die Fahrzeuge mit deutlich dynamischerem Design als die Wettbewerber anbietet, für bezahlbare Technologie steht und für überraschende Innovationen, wie sie das Elektrofahrzeug Ampera bietet, das bereits Ende nächsten Jahres auf den Markt kommt. Natürlich setzen auch andere Unternehmen verstärkt auf Elektroautos, aber der Ampera ist ein cleverer Elektrowagen, der eine Reichweite von 500 Kilometern bietet.

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  • "Auch die Deutsche bank überlegt, erstmals einen Ausländer an ihre Spitze zu berufen."

    ist Josef Ackermann nicht Schweizer?

  • ich glaube mich zu erinnern, das Opel D recht hohe Lizenzgebühren für Patente und ähnliche Rechte an die USA abführen.

    Je nachdem wie dieses, inklusive einer eventuellen "Kozernbeovrmundungsabgabe" gestaltet ist kann OPEL D dann gar keinen Gewinn mehr einfahren - weil der gemachte Gewinn schon längst von der Mutter abgezogen wurde. in diesem Falle lässt sich gegenüber der belegschaft sehr gut jammern und auf die Tränendrüse drücken um weitere Zugeständnisse bei Löhnen und Arbeitszeit sowie Sozialleistungen zu erpressen.

    Ohne Detailkenntnisse lässt sich hier sicherlich keine objektive beurteilung der Situation durchführen.

  • Man sollte nicht versuchen dort hin zu kommen wo andere schon sind. Opel sollte vielmehr neue Wege gehen. Opel sollte die Gunst der Stunde nutzen, erkennen dass die Menschen immer weniger Geldmittel zur Verfügung haben und daher zu seinen Wurzeln zurück finden. Will heißen: Günstige, einfache, robuste (zuverlässige) und funktionelle Autos bauen.

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