Interview mit Niedersachsens IG-Metallchef Hartmut Meine
„Volkswagen muss Volkswagen bleiben!“

Vor der VW-Konzernzentrale in Wolfsburg findet am Freitag die größte Demonstration in der Konzerngeschichte statt. Niedersachsens IG-Metall-Chef Hartmut Meine erklärt in einem Handelsblatt-Interview, warum 30 000 Arbeitnehmer aufmarschieren.

HAMBURG. Einen Tag vor der zur Aufsichtsratssitzung des VW-Konzerns angekündigten Großdemonstration vor der Konzernzentrale in Wolfsburg fordert Initiator Hartmut Meine Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf, sich in Brüssel für das von EU-Binnenkommissar Charlie McCreevy bekämpfte neue VW-Gesetz einzusetzen. Niedersachsens IG-Metall-Chef sagte dem Handelsblatt (Freitagsausgabe), er erwarte, dass "Frau Merkel das Gespräch mit Kommissionspräsident Barroso sucht, um den gegen das VW-Gesetz vorgehenden Binnenmarktkommissar McCreevy zurückzupfeifen." Am morgigen Freitag sollen bis zu 30 000 VW-Werker während der Sitzung des Aufsichtsrates in Wolfsburg für ein neues VW-Gesetz demonstrieren, das Sonderrechte von Betriebsrat und Land Niedersachsen festschreiben würde.

Meine forderte außerdem Porsche-Chef Wendelin Wiedeking auf, im Streit um die Mitbestimmung im neuen Autokonzern Porsche-VW einzulenken. "Es muss alles getan werden, um wieder vernünftig miteinander zu sprechen", sagte der Gewerkschafter dem Handelsblatt. "Ein erster wichtiger Schritt wäre, die Mitbestimmungsregelung demokratisch zu gestalten."

Die Arbeitnehmervertreter von Volkswagen sehen sich angesichts der Größenverhältnisse in den vorgesehenen Strukturen der neuen Porsche-Holding unterrepräsentiert. Porsche hat angekündigt, seinen Anteil an VW von derzeit knapp 31 Prozent in den nächsten Monaten schrittweise auf 51 Prozent zu erhöhen. Dem Gewerkschafter zufolge richtet sich die Demonstration nicht gegen den Großaktionär. "Porsche muss aber klar sein, dass ein Zusammengehen mit Volkswagen nur mit der Belegschaft funktioniert", sagte Meine.

Das Interview im Wortlaut:

Handelsblatt: Herr Meine, warum marschieren morgen 30 000 VW-Werker vor dem VW-Hochhaus auf?

Hartmut Meine: Volkswagen muss Volkswagen bleiben. Die Beschäftigten wollen ein Zeichen setzen für das neue VW-Gesetz. Sie protestieren gegen das politische Störfeuer aus Brüssel Baden-Württemberg und Bayern.

Was ist das konkrete Ziel?

Die Arbeitsplätze bei VW in Niedersachsen und Audi in Bayern sowie Baden-Württemberg müssen sicher sein. Wir wollen deshalb die Arbeitnehmerrechte erhalten. Nur wenn zwei Drittel im Aufsichtsrat zustimmen, können Standorte verlagert werden. Ohne die Stimmen der Arbeitnehmervertreter ist es also nicht möglich. Die Sperrminorität in der Hauptversammlung muss auch in Zukunft bei 20 Prozent der Stimmrechte liegen, damit Niedersachsen ein Gegengewicht zum Großaktionär Porsche bildet.

Also protestieren Sie auch gegen Porsche?

Diese Demonstration richtet sich nicht gegen Porsche. Sie ist ein deutliches Zeichen für den Erhalt des VW-Gesetzes. Porsche muss aber klar sein, dass ein Zusammengehen mit Volkswagen nur mit der Belegschaft funktioniert.

Seite 1:

„Volkswagen muss Volkswagen bleiben!“

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%