Interview mit Opel-Aufsichtsrat Armin Schild
„Die Uhr läuft ab“

Der Staat sollte sich vorübergehend an Opel beteiligen, sagt Aufsichtsrat Armin Schild im Gespräch mit dem Handelsblatt. Die Insolvenz von Saab zeige, wie ernst die Lage ist. Schild geht aber auch davon aus, dass der Autobauer schon bald ein neues Zukunftskonzept vorlegen wird.

Herr Schild, Saab ist als erste GM-Tochter in Europa in Insolvenz gegangen. Ist das auch ein Warnschuss für Opel?

Armin Schild: Ja, auf jeden Fall. Es zeigt wie dramatisch die Lage in Europa beim Mutterkonzern General Motors inzwischen ist und das uns auch bei Opel nicht mehr viel Zeit bleibt, um über Zukunftskonzepte nachzudenken. Wir müssen deshalb rasch ein Notprogramm entwickeln.

Wächst der Druck damit, rasch in Berlin eine Lösung über Staatshilfe zu erzielen?

Zunächst einmal wächst der Druck auf das GM-Management in Detroit, jetzt ein Geschäftskonzept zuzulassen, auf Grund dessen dann die Politik auch Entscheidungen treffen kann. Wir stehen ja in engem Kontakt mit den betroffenen Landesregierungen und auch mit der Regierung und es ist für alle Beteiligten, natürlich auch für uns als Gewerkschaft, wichtig zu wissen, wie es denn werden soll. Für mich war deshalb die wichtigste Nachricht der jüngsten Zeit die Ankündigung von GM-Europa-Chef Carl-Peter Forster, dass sich Opel öffnet für die Beteiligung Dritter. Das ist eine substanzielle Botschaft auf der, so hoffen wir, ein Zukunftskonzept, das nicht allein aus Downsizing besteht, begründet werden kann.

Wie Opels Zukunft aussehen könnte

Wann wird Management und Betriebsrat der Politik ein Zukunftskonzept vorlegen können?

Wir haben eine Opel-Aufsichtsratssitzung am 27. Februar. Ich gehe fest davon aus, dass wir bis dann deutlich weiter sind und dem Gremium auch bereits erste Grundzüge des neuen Zukunftskonzeptes präsentiert werden. Ich denke, gerade die Insolvenz von Saab hat gezeigt, dass da ja auch eine Uhr abläuft. Wir reden hier ja nicht über eine theoretische Situation, sondern über eine ganz praktische Bedrohung. Ich kann als Aufsichtsratsmitglied natürlich nicht über Details sprechen. Aber wir, also Adam Opel, haben verschiedene Konzepte relativ weit entwickelt. Wir brauchen jedoch für alles die Zustimmung der amerikanischen Mutter, weil sie direkt betroffen ist. Ich habe den Eindruck, dass wir in den Vereinigten Staaten eine interne Auseinandersetzung um die Strategie haben, die uns im Moment in gefährlicher Weise blockieren könnte. Denn das Konzept, Opel auf ein ultraschlankes Unternehmen herunter zu streichen, das funktioniert nicht. Das zeigt auch das Beispiel Saab sehr schön. Eine Nischenrolle für die Marke mit dem Blitz funktioniert nicht. Opel muss ein Massenhersteller bleiben.

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