Interview mit Opel-Betriebsratschef
Klaus Franz: „Anfang Mai geht es ran an den Speck“

Die Entscheidung bei Opel rückt näher: Der Standortwettbewerb um die Produktion des nächsten Astra, bei dem in Deutschland tausende Stellen auf dem Spiel stehen, geht demnächst in die heiße Phase. Das Handelsblatt sprach mit Opel-Betriebsratschef Klaus Franz.

Handelsblatt: Das Opel-Management schließt eine Werksschließung im Rahmen der Verhandlungen um die nächste Astra-Generation nicht aus. Sie fordern dagegen den Verzicht auf eine solche Option als Grundlage der Gespräche. Haben Sie GM-Europachef Carl-Peter Forster eine Deadline gesetzt?

Klaus Franz: Die Entscheidung muss spätestens in der zweiten Jahreshälfte getroffen werden.

Was passiert, wenn das Management stur bleibt?

Wir wollen keinen Konflikt, scheuen diesen aber auch nicht. Wir haben Vorschläge an GM Europa (GME) unterbreitet, die eine Werksschließung vermeiden, sozial verträglich und betriebswirtschaftlich sinnvoll sind. Wir streben eine Win-Win-Lösung mit GME an.

Gehen die Gespräche über die Astra-Werke also noch im April in die heiße Phase?

Ja, Ende April, Anfang Mai geht es ran an den Speck.

Der Markt für Kompaktautos ist zwar immer noch riesig, aber er wächst in Westeuropa nicht mehr. Woher soll ein Absatzwachstum in der Fahrzeugklasse kommen, das einzig einen Stellenabbau verhindern kann?

Globale Architekturen bieten mehr Derivate mit Nischen-Fahrzeugen und damit Wachstumspotenzial an. Wir wollen in Europa ein größeres Stück aus dem globalen Kuchen. Wir haben auch gefordert, Fahrzeuge anderer Plattformen in den bestehenden Fabriken zu bauen und damit Investitionen im Osten zu vermeiden. Kurz gesagt: es geht darum, die Vernichtung von Arbeitsplätzen durch die Verlagerung nach Osten zu stoppen.

Wie wollen Sie eine Abwanderung von GM-Produktion nach Osten verhindern?

Unsere Philosophie ist ganz einfach: Die Fahrzeuge, die im Westen verkauft werden und Kaufkraft binden, sollen auch da gebaut werden. Volkswirtschaftlich macht dies Sinn. Ebenso sollen in dem Maße, wie Nachfrage im Osten wächst, dort Kapazitäten aufgebaut werden.

Wie groß sind die installierten Überkapazitäten von GM in den Astra-Werken in Europa für das nächste Modell ab 2009?

Derzeit besteht eine Lücke von rund 230 000 Einheiten. Zusätzliche Modelle verringern diese jedoch.

Erhöht VW mit dem bereits 2008 startenden VW Golf nicht den Druck auf GM?

Ich denke schon, dass der neue VW Golf den Druck erhöhen wird.

Bis wann rechnen Sie mit einem Ergebnis der Verhandlungen über die Fertigung der nächsten Astra-Generation?

Wir nehmen uns die Zeit, die wir brauchen. Es wird für die europäischen Arbeitnehmer eine Herausforderung, vergleichbar mit der Restrukturierung in Deutschland von 2004/2005.

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