Interview mit Paul Walsh, Chef von Diageo
„Der deutsche Kunde ist anders“

Paul Walsh, Chef des Spirituosenkonzerns Diageo, äußert sich im Gespräch über Imageprobleme, wachsendes Gesundheitsbewusstein, die Besonderheiten des deutschen Marktes und mögliche Expansionen in naher Zukunft.

Handelsblatt: Mr. Walsh, die Regierungen zwingen in immer mehr Ländern die Raucher zum Rückzug. Wird das wachsende Gesundheitsbewusstsein Ihrer Branche ähnlich zu schaffen machen?

Walsh: Ich glaube nicht, dass man den Alkoholkonsum mit dem Rauchen vergleichen sollte. Niemand hat je behauptet, dass es gesund ist, eine Zigarette am Tag zu rauchen. Es gibt aber zahlreiche medizinische Studien, die Alkohol einen Platz in einer gesunden Ernährung einräumen. Das Problem sind die ein bis eineinhalb Prozent unserer Kunden, die unsere Produkte missbrauchen. Wir müssen alles tun, um diese kleine Minderheit über die Probleme übermäßigen Trinkens aufzuklären. Der andere Trend ist Trinken unter Jugendlichen. Hier müssen wir sichergehen, dass wir die mit unserer Werbung nicht ansprechen.

Wie beurteilen Sie die neue Strategie der EU-Kommission gegen den Alkoholmissbrauch?

Das jüngste Papier aus Brüssel ist sehr vernünftig. Es fordert eine Partnerschaft mit der Industrie, und wir unterstützen die vorgeschlagenen Maßnahmen voll und ganz.

Erwarten Sie steigende Steuern auf Alkohol?

Natürlich wünschen wir uns, dass die Steuern nicht weiter steigen. Es gibt keine Beweise dafür, dass höhere Steuern den Verbrauch senken. Steigende Steuern stimulieren den Konsum billigen Alkohols und illegale Importe. Außerdem: Alkohol ist Alkohol, egal ob Spirituosen, Bier oder Wein. Es darf nicht sein, dass Alkohol in verschiedenen Getränken unterschiedlich hoch besteuert wird. Das sollten sich die Gesetzgeber anschauen, bevor sie über höhere Steuersätze nachdenken.

Aber die Steuern auf Alcopops, die fertigen Mischgetränke in der Flasche, haben doch gewirkt.

Sie haben in dem Sinne gewirkt, dass sie unseren Vertrieb behindert haben. Die Steuer auf Alcopops war eine List der Brauereien, um ihren Markt zu schützen. Alcopops haben als Blitzableiter gedient. Jugendliche können sie sich oft gar nicht leisten. Es ist unklug, Probleme mit Alkohol auf eine bestimmte Kategorie zuzuspitzen.

Was genau tut Diageo denn, um die Kunden zu vernünftigem Trinken anzuhalten?

Die Probleme mit Alkoholmissbrauch sind je nach Markt sehr unterschiedlich. Hier in Großbritannien haben wir eine TV-Kampagne auf junge Frauen ausgerichtet, die gute Wirkung zeigt. In Brasilien haben wir die Verbindung mit dem Formel-1-Sponsoring genutzt, um junge Männer zum Nachdenken über das Autofahren unter Alkoholeinfluss zu bewegen.

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