Interview mit Reckitt-Benckiser-Chef Bert Brecht
„Westeuropa ist für uns noch kein reifer Markt“

Bert Brecht verkörpert den hemdsärmeligen, aggressiven Stil des Konsumgüterkonzerns Reckitt Benckiser. Seitdem der 51-Jährige auf dem Chefsessel sitzt, hat sich der Börsenwert des Unternehmens vervielfacht. Im Gespräch mit dem Handelsblatt spricht Brecht über die Belastung durch steigende Rohstoffpreise und warum Umweltfreundlichkeit für ihn nur eine untergeordnete Rolle spielt.

Herr Becht, Nordamerika und Europa sind für Reckitt Benckiser die wichtigsten Märkte. Wie beeinflusst der Abschwung ihre Geschäfte?

Wir sind von Konjunkturzyklen nicht so stark betroffen. Die Märkte für unsere Produkte wachsen normalerweise um drei bis vier Prozent im Jahr. In schwachen Jahren sind es nur zwei Prozent, in besonders guten bis zu sechs. Wenn das Verbrauchervertrauen sinkt, verlangsamt sich das Wachstum also, es verschwindet aber nicht. So sieht es im Moment in Teilen Westeuropas und in Nordamerika aus.

Wechseln die Kunden derzeit von Reckitt-Benckiser-Produkten auf billigere Alternativen?

So wenig sie im Aufschwung auf teurere Haushaltsreiniger umsteigen, so wenig wechseln sie im Abschwung zu billigeren. Der Anteil am verfügbaren Einkommen, den Kunden für unsere Produkte ausgeben, ist gering. Das ist ganz einfach: Wenn Sie einen Bonus bekommen, dann ziehen sie nicht los und kaufen unsere Produkte. Und wenn Sie gefeuert werden, dann wechseln Sie auch nicht als erstes die Schmerzmittelmarke.

Wie stark belastet Sie der Anstieg der Rohstoffpreise?

Das ist ein großes Thema dieses Jahr. Es geht längst nicht mehr nur um den Ölpreis, unsere Rohstoff- und Verpackungskosten steigen in der Breite.

Wie hoch ist der Anteil der Rohstoffe an Ihren Gesamtkosten?

Rohstoffe und Verpackung sind der größte Teil unserer Kosten, aber wir veröffentlichen die Zahlen nicht.

Gibt es die Chance, einen Teil dieser Kosten zu vermeiden?

Wir können die Kosten noch weiter senken, aber dieses Jahr sind die Rohstoffkosten derart stark gestiegen, dass wir den größten Teil durch Preiserhöhungen kompensieren müssen. Es würde es uns sehr helfen, wenn alle Länder so gut wären wie Deutschland im Recycling. Dann bräuchten wir weniger Rohstoffe.

Haben sich die Preiserhöhungen schon negativ auf die Umsätze ausgewirkt?

Bisher nicht.

Wenn die westlichen Märkte schwächeln, dann werden auch für Sie die Schwellenländer immer wichtiger, oder?

Die Schwellenländer haben für uns in der Tat in den vergangenen zehn Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Unsere Wachstumsraten sind dort schon seit längerem zweistellig. Aber auch Westeuropa ist für unsere Produkte noch lange kein reifer Markt. Hier haben zum Beispiel erst zwischen 30 und 60 Prozent der Haushalte Geschirrspülmaschinen. Bei Waschmaschinen sind es über 90 Prozent. Das bietet für uns noch viel Wachstumspotenzial.

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