Interview mit Scott Keogh
„Wir haben Tesla einiges zu verdanken“

Scott Keogh, Audis Amerika-Chef, spricht im Handelsblatt-Interview über die große Elektro-Offensive, über mögliche neue Konkurrenten und was der Autobauer vom US-Pionier Tesla gelernt hat.

Los AngelesHerr Keogh. Sie haben auf der Autoshow in Los Angeles eine große Elektroauto-Offensive für den amerikanischen Markt angekündigt. In zehn Jahren soll jedes vierte verkaufte Auto ein E-Auto sein. Eine zentrale Rolle soll dabei der Q6 e-tron Quattro SUV spielen. Ist das eine Reaktion auf den Diesel-Skandal?
Nein. Dieses Auto ist schon seit fünf Jahren in der Planung. Schon seit gut 18 Monaten stellen wir Konzepte dazu vor. Audi denkt weit voraus, und es ist jetzt einfach der richtige Zeitpunkt.

Könnte der Diesel-Skandal die Wende hin zu Elektroautos forcieren?
Vielleicht wird es den Prozess ein bisschen beschleunigen. Es wird uns sicherlich positiv motivieren. Aber ich denke, dass wir im Großen und Ganzen an unserem Plan festhalten werden. Ich war immer ein leidenschaftlicher Befürworter von Elektroautos.

Haben Käufer angesichts der niedrigen Benzin-Preise überhaupt Interesse an Elektro-Autos?
Ja, wir sehen durchaus Interesse, weil hier drei Faktoren zusammenkommen. Zum einen gibt es eine emotionale Komponente. Kunden wollen dieses Signal senden, unabhängig davon, was das Auto oder der Treibstoff kostet. Sie wollen damit zeigen, dass sie das richtige tun und ihren Teil für die Umwelt beitragen. Die zweite Komponente: Es wird einen großen Wendepunkt geben, wenn die Preise so weit fallen, dass Elektromotoren günstiger zu produzieren sind als Verbrennungsmotoren. Und wir kommen dem immer näher. Und die dritte Komponente: Die Regulierer hier in den USA treiben die Technologie ebenfalls voran. Aber das Problem sind nicht die Vorschriften. Das Problem ist, einen großen Teil der Kunden dazu zu bewegen, den Sprung zum Elektro-Auto zu wagen. Deshalb haben wir so darauf gedrängt, einen Elektro-SUV für den US-Markt zu bekommen und nicht ein kleines, europäisches Stadtauto.

Der e-tron SUV fährt gut 500 Kilometer, bevor er aufgeladen werden muss. Damit wird das Modell zum Tesla-Konkurrenten. Wie wichtig war die lange Distanz für den US-Markt?
Wir haben festgestellt: Sobald die Autos einmal 400 bis 500 Kilometer schaffen, erfüllt das die Bedürfnisse von 95 Prozent der Autofahrer. Eine Reichweite von unter 150 Kilometern überzeugt einfach nicht so viele Kunden.

In der Branche wird derzeit heftig über die richtige Mischung aus Batterie-Leistung und Reichweite diskutiert.
Genau. Wir werden sehen, wohin sich die Welt bewegt. Das Gute ist: Jeden Tag fallen die Preise für die Batterie-Technologien und in einem SUV gibt es auch mehr Platz, um Batterien unterzubringen als in einem kleinen Stadtauto.

Welche Rolle spielt Tesla dabei, das Interesse an Elektro-Autos im Luxussegment voran zu treiben?
Wir haben Tesla einiges zu verdanken. Sie haben eine smarte Entscheidung getroffen. Statt zu sagen: Wir bauen ein Auto, das den Anforderungen der Regulierer genügt, aber langweilig ist, haben sie ein Auto gebaut, das zwar auch den Anforderungen entspricht, aber sexy ist und das jeder fahren will. Daraus haben wir gelernt und uns beim e-tron SUV davon leiten lassen.

In den Markt drängen nun auch neue Autobauer wie Faraday Futures und Karma. Sehen Sie die als Konkurrenten oder als Helfer, die die Nachfrage nach großen, teuren Elektroautos im Markt ankurbeln?
Wir sprechen viel über Faraday Futures und wir sollten erst einmal abwarten, ob sie es überhaupt schaffen, ein Auto auf den Markt zu bringen. Aber wenn ihnen das gelingt, dann werden sie auch ein Konkurrent werden. Insgesamt jedoch sehe ich die Bewegung positiv. Bislang ging es immer nur um Größe und industrieller Macht. Jetzt geht es vor allem um Innovationen, was uns sehr liegt. Das ist ein Umfeld, in dem wir sein wollen. Auf einmal liest man über uns nicht mehr nur im Auto-Teil einer Zeitung, sondern auch im Technologie-Teil. Das finden wir gut.

Herr Keogh, vielen Dank für das Interview.

Astrid Dörner ist Korrespondentin in New York.
Astrid Dörner
Handelsblatt / Deskchefin Agenda
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