Interview mit Scott Keogh

„Wir haben Tesla einiges zu verdanken“

Scott Keogh, Audis Amerika-Chef, spricht im Handelsblatt-Interview über die große Elektro-Offensive, über mögliche neue Konkurrenten und was der Autobauer vom US-Pionier Tesla gelernt hat.
Audis Amerika-Chef Scott Keogh hat den neuen e-tron Quattro während der Autoshow im kalifornischen Los Angeles präsentiert. Damit kündigt er zugleich eine große Elektroauto-Offensive für den amerikanischen Markt an. Quelle: Reuters
Scott Keogh

Audis Amerika-Chef Scott Keogh hat den neuen e-tron Quattro während der Autoshow im kalifornischen Los Angeles präsentiert. Damit kündigt er zugleich eine große Elektroauto-Offensive für den amerikanischen Markt an.

(Foto: Reuters)

Los AngelesHerr Keogh. Sie haben auf der Autoshow in Los Angeles eine große Elektroauto-Offensive für den amerikanischen Markt angekündigt. In zehn Jahren soll jedes vierte verkaufte Auto ein E-Auto sein. Eine zentrale Rolle soll dabei der Q6 e-tron Quattro SUV spielen. Ist das eine Reaktion auf den Diesel-Skandal?
Nein. Dieses Auto ist schon seit fünf Jahren in der Planung. Schon seit gut 18 Monaten stellen wir Konzepte dazu vor. Audi denkt weit voraus, und es ist jetzt einfach der richtige Zeitpunkt.

Könnte der Diesel-Skandal die Wende hin zu Elektroautos forcieren?
Vielleicht wird es den Prozess ein bisschen beschleunigen. Es wird uns sicherlich positiv motivieren. Aber ich denke, dass wir im Großen und Ganzen an unserem Plan festhalten werden. Ich war immer ein leidenschaftlicher Befürworter von Elektroautos.

PS-Schlacht im Sonnenstaat
Jahrelang galt sie als „grüne Messe“, die „L.A. Motorshow“:
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Sie sollte im verkehrsreichsten Bundesstaat der USA und der Smog-Metropole Los Angeles ein Zeichen setzen. Die Messe sollte für neue Technologien wie Hybridmotoren, für E-Mobility und für Zukunftsprojekte wie den Wasserstoff-Antrieb die Werbetrommel rühren. Verschwunden sind diese Hoffnungsträger auf der diesjährigen Ausstellung nicht. Aber neben einer Sonderschau über die Möglichkeiten der Vernetzung des Autos mit dem Smartphone stehen die PS-Protze im Vordergrund.

Eindrücke von der Los Angeles Auto Show 2015
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Wie wär´s mit 477 kW/649 PS zum Beispiel im Cadillac CTS-V mit seinem Achtzylinder, verteilt auf 6,2 Liter Hubraum? Oder mit der neuesten Ausgabe des Chevrolet Camaro, der zwar nur 339 kW/461 PS leistet, aber auf das gleiche Triebwerk baut.

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Der Blick auf die Preistafeln der Tankstellen verrät eine Ursache der neuen Unbekümmertheit.
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Der Literpreis liegt bei umgerechnet knapp über 70 Cent, die Spritschlucker sind wieder bezahlbar. Downsizing, auch bei US-Marken, war gestern.

Billiges Benzin, günstige Kredite und wenig Arbeitslose: Die US-Amerikaner kaufen Autos wie noch nie.
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Der Neuwagenmarkt ist auf dem besten Weg, das Rekordniveau aus dem Jahr 2000 (17,3 Millionen Neuzulassungen) zu übertreffen. Bestverkaufter Pkw der ersten neun Monate war dem Informationsdienst „Focus2move“ zufolge die Ford F-Serie. Der Pick-up fand bislang knapp 630.000 Käufer, 1,5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der direkte Wettbewerber Chevrolet Silverado legte um knapp 15 Prozent auf 493.000 Einheiten zu. Auf Rang drei: Ein Pick-up. Der Dodge Ram mit 372.000 Verkäufen.

Beliebtester Pkw war die Mittelklasselimousine Toyota Camry auf Rang vier mit 361.000 Neuzulassungen. Auch die Plätze fünf bis neun gehen an japanische Modelle von Toyota und Honda, Rang zehn nimmt mit dem Ford Escape ein SUV aus US-Produktion ein.
Als bestes deutsches Modell landet der VW Jetta mit 106.000 Neuzulassungen auf Rang 39, das Minus von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum ist noch nicht auf den VW-Skandal zurückzuführen. Möglicherweise steht ein noch tieferer Abstieg in der Bestsellerliste bevor. 

Eindrücke von der Los Angeles Auto Show 2015
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Da wollen die deutschen Premiummarken natürlich nicht ins Abseits fahren: Auf der Motorshow im Sonnenstaat will Audi mit der Sportversion der Edellimousine A8 punkten, lockt mit 445 kW/605 PS, die AMG-Ausgabe des überarbeiteten Mercedes SL liegt mit 463 kW/630 PS und ihrem Zwölfzylindermotor ebenfalls genau im Trend.

Klar, dass alle diese Boliden auch ihren Preis haben, zumeist im hohen sechsstelligen Bereich. In Kalifornien, mit seiner hohen Dichte an Rolls Royce oder Bentley, ist der Anschaffungspreis aber eher nebensächlich.
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2016er Dodge Viper ACR: Sich jetzt noch eine echte Viper zuzulegen, kann auch unter Sammleraspekten durchaus interessant sein. Schließlich hat der Mutterkonzern Fiat Chrylser gerade erst mitgeteilt, dass er das PS-Monster mit zehn Zylindern mangels Nachfrage bald auslaufen lassen wird.

2016er Chevrolet Corvette Z06 C7R
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Haben Käufer angesichts der niedrigen Benzin-Preise überhaupt Interesse an Elektro-Autos?
Ja, wir sehen durchaus Interesse, weil hier drei Faktoren zusammenkommen. Zum einen gibt es eine emotionale Komponente. Kunden wollen dieses Signal senden, unabhängig davon, was das Auto oder der Treibstoff kostet. Sie wollen damit zeigen, dass sie das richtige tun und ihren Teil für die Umwelt beitragen. Die zweite Komponente: Es wird einen großen Wendepunkt geben, wenn die Preise so weit fallen, dass Elektromotoren günstiger zu produzieren sind als Verbrennungsmotoren. Und wir kommen dem immer näher. Und die dritte Komponente: Die Regulierer hier in den USA treiben die Technologie ebenfalls voran. Aber das Problem sind nicht die Vorschriften. Das Problem ist, einen großen Teil der Kunden dazu zu bewegen, den Sprung zum Elektro-Auto zu wagen. Deshalb haben wir so darauf gedrängt, einen Elektro-SUV für den US-Markt zu bekommen und nicht ein kleines, europäisches Stadtauto.

Der e-tron SUV fährt gut 500 Kilometer, bevor er aufgeladen werden muss. Damit wird das Modell zum Tesla-Konkurrenten. Wie wichtig war die lange Distanz für den US-Markt?
Wir haben festgestellt: Sobald die Autos einmal 400 bis 500 Kilometer schaffen, erfüllt das die Bedürfnisse von 95 Prozent der Autofahrer. Eine Reichweite von unter 150 Kilometern überzeugt einfach nicht so viele Kunden.

Der neue e-tron Quattro von Audi: Der SUV fährt 500 Kilometer, bevor er aufgeladen werden muss. Damit erfülle der Autobauer die Bedürfnisse von 95 Prozent der Autofahrer. Quelle: Reuters
Der neue Audi e-tron Quattro

Der neue e-tron Quattro von Audi: Der SUV fährt 500 Kilometer, bevor er aufgeladen werden muss. Damit erfülle der Autobauer die Bedürfnisse von 95 Prozent der Autofahrer.

(Foto: Reuters)

In der Branche wird derzeit heftig über die richtige Mischung aus Batterie-Leistung und Reichweite diskutiert.
Genau. Wir werden sehen, wohin sich die Welt bewegt. Das Gute ist: Jeden Tag fallen die Preise für die Batterie-Technologien und in einem SUV gibt es auch mehr Platz, um Batterien unterzubringen als in einem kleinen Stadtauto.

Welche Rolle spielt Tesla dabei, das Interesse an Elektro-Autos im Luxussegment voran zu treiben?
Wir haben Tesla einiges zu verdanken. Sie haben eine smarte Entscheidung getroffen. Statt zu sagen: Wir bauen ein Auto, das den Anforderungen der Regulierer genügt, aber langweilig ist, haben sie ein Auto gebaut, das zwar auch den Anforderungen entspricht, aber sexy ist und das jeder fahren will. Daraus haben wir gelernt und uns beim e-tron SUV davon leiten lassen.

In den Markt drängen nun auch neue Autobauer wie Faraday Futures und Karma. Sehen Sie die als Konkurrenten oder als Helfer, die die Nachfrage nach großen, teuren Elektroautos im Markt ankurbeln?
Wir sprechen viel über Faraday Futures und wir sollten erst einmal abwarten, ob sie es überhaupt schaffen, ein Auto auf den Markt zu bringen. Aber wenn ihnen das gelingt, dann werden sie auch ein Konkurrent werden. Insgesamt jedoch sehe ich die Bewegung positiv. Bislang ging es immer nur um Größe und industrieller Macht. Jetzt geht es vor allem um Innovationen, was uns sehr liegt. Das ist ein Umfeld, in dem wir sein wollen. Auf einmal liest man über uns nicht mehr nur im Auto-Teil einer Zeitung, sondern auch im Technologie-Teil. Das finden wir gut.

Herr Keogh, vielen Dank für das Interview.

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