Interview mit Siemens-Chef
Heinrich von Pierer: „Ich möchte keine De-Industrialisierung“

Siemens-Chef Heinrich von Pierer über E-Mails an Mitarbeiter, das defizitäre Handy-Geschäft und über seine neue Aufgabe als Aufsichtsrat.

Herr von Pierer, in Ihrer Weihnachts-E-Mail an die Mitarbeiter ist von „schmerzhaften Einschnitten“ die Rede. Was bedeutet das konkret?

Pierer: Ich schreibe jedes Jahr zu Weihnachten eine E-Mail an alle Mitarbeiter weltweit und bedanke mich für das, was geleistet worden ist. Mir ist allerdings bewusst – so habe ich das ehrlicherweise auch formuliert –, dass manche zuletzt schmerzhafte Einschnitte erlebt haben. Das ist leider unausweichlich. Mehr steht da gar nicht drin. Da soll nichts vorbereitet werden. Das ist eine ganz normale Weihnachts-E-Mail.

Also gibt es keine schmerzhaften Einschnitte.

Pierer: Ich kann natürlich nicht im Einzelnen sagen, wie sich die Dinge weiter entwickeln werden. Aber das würde ich nicht auf diese Weise ankündigen.

Über die Zukunft des Handy-Geschäftes wird heiß spekuliert. Wann wird eine Entscheidung fallen – noch in Ihrer Amtszeit?

Pierer: Ich hoffe, dass ich auf der Hauptversammlung am 27. Januar etwas dazu sagen kann. Aber sicher bin ich mir nicht. Danach macht das mein Nachfolger Klaus Kleinfeld. Das ist ohnehin eine gemeinsame Entscheidung des Vorstandes.

Welche Optionen gibt es denn?

Pierer: „Fix, close, sell or cooperate“ – also in Ordnung bringen, schließen, verkaufen oder kooperieren. Das sind in solchen Fällen immer die Möglichkeiten. Da gibt es verschiedene Überlegungen und verschiedene Dinge, die man beachten muss. Wir sind aber noch nicht so weit, dass wir etwas dazu sagen können.

Können Sie sich vorstellen, dass das Handy-Geschäft unter der Marke Siemens läuft, ohne dass Siemens daran beteiligt ist?

Pierer: Die Marke Siemens ist ein hohes Gut. Da passen wir schon sehr auf.

2004 haben Sie bereits Aufsehen erregende Einschnitte vorgenommen. In der Handy-Fertigung in Kamp-Lintfort und in Bocholt wurde die 40-Stunden-Woche eingeführt. Hat sich der Kampf gelohnt?

Pierer: Der Kampf um Arbeitsplätze lohnt sich immer. Die beiden Werke, die Sie erwähnen, sind ja nur Beispiele. Es gibt noch andere vergleichbare Lösungen, etwa an den Standorten Bruchsal oder Kirchheim/Teck. An anderen Stellen verhandeln wir noch. Das Ziel ist immer, so viele Arbeitsplätze wie möglich in Deutschland zu erhalten. Ich habe den Eindruck, dass das von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verstanden und auch anerkannt wird.

Haben Sie da bewusst eine Vorreiterrolle übernommen?

Pierer: Eine Vorreiterrolle höchstens, wenn es um die Sicherung von Arbeitsplätzen geht. Ich habe immer gesagt, dass die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche kein Modell für Deutschland ist – auch nicht für Siemens. Das sind spezielle Fälle mit speziellen Lösungen.

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