Interview mit Sven Schelo
"Opel nicht direkt von GM-Insolvenz betroffen"

Ein Insolvenzverfahren wird für den US-Autobauer General Motors immer wahrscheinlicher. Für Opel hätte dies zumindest rein rechtlich wohl keine unmittelbaren Folgen, sagt der Insolvenzexperte Sven Schelo, Anwalt der internationalen Sozietät Linklaters. Im Interview mit dem Handelsblatt analysiert er den Worst Case für GM.

Herr Schelo, falls General Motors nun doch in die Insolvenz nach Chapter 11 gehen sollte, was bedeutet das für GM in Europa, vor allem für Opel?

Rein rechtlich gesehen, wäre Opel nicht Adressat etwaiger Verfügungsbeschränkungen aus den USA, und wäre von einem Chapter 11 Verfahren seiner US-Muttergesellschaft daher nicht direkt betroffen.

Wirtschaftlich hätte das aber schon Folgen?

Natürlich, nur ist schwer abzuschätzen, welche. Es gibt zahlreiche Fälle, in denen deutsche Töchter US-amerikanischer Firmen weitergeführt werden obwohl die Mutter unter Chapter 11 geschlüpft ist. Es gibt aber auch Fälle, in denen deutsche Beteiligungen unmittelbar betroffen waren und Insolvenz beantragen mussten.

Dieser Worst Case tritt ein. . .

. . . wenn beispielsweise die Tochter ganz eng in das Cashmanagement der Mutter eingebunden ist. Bei Opel wissen wir das aber nicht genau. Was man weiß ist nur, dass schon jetzt wenig Liquidität von oben nach unten fließt. Geht GM unter Chapter 11 dürfte der Geldhahn weiter zugedreht werden.

General Motors könnte neueren Meldungen zufolge aufgespalten werden. Die guten Assets in eine neue Gesellschaft, die schlechten inklusive Schulden würden dann abgewickelt. Was wird in einem solchen Fall aus GM in Europa?

Eine solche Ausgliederung ändert grundsätzlich wenig am Schicksal Opels. Es macht auch keinen großen Unterschied, ob Opel dann beim guten oder schlechten Teil von GM verbliebe. Entscheidend ist eher, ob es für Opel einen Investoren gibt. Wem der dann die europäische Tochter abkauft ist zweitrangig.

Trotzdem scheuen selbst die Amerikaner davor zurück, GM unter Gläubigerschutz zu stellen.

Weil auch das Chapter 11 mögliche Käufer verschreckt und Lieferanten verunsichert. Darin liegt ja auch die eigentliche Gefahr für Opel als Folge einer Teilinsolvenz der amerikanischen Muttergesellschaft.

Wäre eine solche Aufteilung auch hierzulande möglich?

Sicher, im Rahmen der übertragenden Sanierung. Dann würde ein Insolvenzverwalter die verwertbaren Teile eines Unternehmens ausgliedern und zum Kauf anbieten. Nur dauert das in der Regel Monate. Im Fall General Motors soll das aber sehr schnell gemacht werden. Vielleicht ist es nur eine Frage von Tagen.

Und die Gläubiger von GM gucken in die Röhre?

Nein, eine solche Aufteilung ist nicht ohne eine Kompensation für die Gläubiger vorstellbar. Vielleicht kommt eine Kombination von Barverkauf des guten GM-Teils plus Besserungsschein für die Gläubiger dabei heraus.

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