Interview mit: Tony Isaac, Konzenrnchef der britischen BOC-Gruppe
„Entscheidung für die Aktionäre“

Der Widerstand der britischen BOC gegen den Übernahmeversuch des Wiesbadener Linde-Konzern ist schnell erlahmt. Das Handelsblatt sprach mit Tony Isaac, Konzernschef der britischen BOC-Gruppe über die Gründe.

Handelsblatt: Herr Isaac, warum ist Ihr Widerstand gegen eine Fusion mit Linde so schnell erlahmt?

Isaac: Die aktuelle Offerte ist mit 16 Pfund im Gegensatz zum ersten Linde-Vorstoß im Januar mit 15 Pfund deutlich attraktiver. Das Angebot entspricht einem Aufschlag von fast 40 Prozent auf den Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate. Diesen Aktienkurs hätten wir kurz- bis mittelfristig aus eigener Kraft nicht erzielen können. Deswegen war die Entscheidung, das Angebot anzunehmen, eine Entscheidung für die Aktionäre.

Das war der einzige Grund?

Für das Unternehmen und unsere Aktionäre wurden zudem sensible Einzelheiten der Übernahme geklärt. Die stellen uns nun zufrieden. Das gilt etwa für die Finanzierung der Linde-Offerte durch die Banken. Zudem ist inzwischen klar, dass es keine kartellrechtlichen Hürden gibt, die nicht übersprungen werden könnten. Wenn die Übernahme bis Ende Mai nicht in trockenen Tüchern ist, erhalten unsere Aktionäre einen Aufschlag, der sich auf bis zu 27 Pence je Aktie addieren kann. Muss die Übernahme abgesagt werden, sind sogar 75 Millionen Pfund fällig.

Was ist Ihre künftige Rolle im neuen Konzern?

Es ist noch zu früh, um Konkretes sagen zu können. Zunächst gibt es viel zu tun, um die Einzelheiten der Übernahme in die Wege zu leiten. Ich gehe davon aus, dass die besten Leute von beiden Seiten an der Spitze des neuen Konzerns stehen werden.

Die Übernahme bringt dem Management eine Menge Geld.

Die Zahlen, die hier in der Presse kursieren, sind absonderlich. Fakt ist: Für an die Kursentwicklung von BOC gebundene Aktienoptionen aus den letzten Jahren und weitere Optionen aus einem Incentive-Plan erhalte ich rund 12 Millionen Pfund, und der Rest des Managements bekommt zusammen weitere zehn Millionen Pfund.

Hedge-Fonds sollen inzwischen über 50 Prozent der Aktien an BOC halten. Stimmt das?

Ich halte das für maßlos übertrieben. Unsere Banken schätzen den Anteil nur auf acht bis zwölf Prozent.

Ist die Konsolidierung der Branche mit der Übernahme von BOC durch Linde beendet?

Viele Analysten und Experten haben vor dem jüngsten Deal eine große internationale Transaktion erwartet. Die haben wir jetzt. Ansonsten gibt es noch Spielraum für eine Konsolidierung, die in einem Land stattfindet.

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