Interview mit Vorstand Neumann
VW schafft 50 000 neue Stellen

Volkswagen fährt allen davon: um die Produktion zu schaffen, sollen in den kommenden Jahren 50 000 neue Stellen geschaffen werden. Außerdem winken den Mitarbeitern Beteiligungen am Gewinn des Autobauers. Das Handelsblatt sprach mit dem VW-Personalvorstand Horst Neumann über den Erfolg, Arbeiten mit 60 und die anstehenden Tarifverhandlungen.
  • 0

Frage: Herr Neumann, wie stellen Sie sich als Autobauer auf immer ältere Mitarbeiter ein?

Horst Neumann: Wir müssen für flexible Übergänge sorgen, die Mitarbeiter zwischen 60 und 70 Jahren nutzen können. Das durchschnittliche Austrittsalter beträgt bei Volkswagen derzeit 58 Jahre. Es wird langsam, aber stetig zunehmen.

Frage: Ihr Vorstandschef Martin Winterkorn will bis Ende 60 arbeiten. Ein Vorbild für VW-Manager?

Neumann: Durchaus. Das klappt, wenn ein Manager wie er leistungsfähig und fit ist, Freude an der Arbeit hat. Die Entscheidung hängt aber von den individuellen Umständen ab. Volkswagen muss sich auf eine ganze Bandbreite an Möglichkeiten einstellen, gestaffelt nach der jeweiligen Belastung. Wer heute Ende 50 ist und 40 Jahre am Band gearbeitet hat, unter noch härteren Bedingungen als heute, muss in den Ruhestand gehen können. Unsere Aufgabe ist es, noch differenziertere Angebote zur Altersteilzeit zu machen.

Frage: Die Bundesregierung tut allerdings alles, um Altersteilzeit zurückzufahren…

Neumann: …und das ärgert mich sehr, weil sich die Politik damit taub stellt gegenüber den Bedürfnissen von Millionen Arbeitern in Deutschland. Das ist ebenso lebensfremd wie verantwortungslos.

Frage: Verkennt die Politik die wirtschaftliche Realität?

Neumann: Ich fürchte ja. Als Autobauer brauchen wir gut qualifizierte Facharbeiter und Ingenieure. Das ist unsere Lebensgrundlage. Für die Verbindung von Schule, Universität und Arbeitswelt wird viel zu wenig getan. Früher kamen 80 Prozent der Jugendlichen mit 14 Jahren aus der Schule ins Arbeitsleben. Heute sind es lediglich 20 Prozent. Deshalb muss die praktische Arbeitswelt die Jugendlichen heute schon in der Schule erreichen. Das ist ein Grund, weshalb wir als Unternehmen uns auch ein wenig um die Schulen kümmern.

Frage: Was tun Sie angesichts des demografischen Wandels?

Neumann: Wir suchen individuelle Lösungen. Ideal wäre, jemand arbeitet 20 Jahre am Band und erklimmt dann die nächsten zwei bis drei Stufen zum Meister, Instandhalter, Techniker. Das werden nicht alle schaffen, aber das Angebot zur Qualifizierung intensivieren wir.

Frage: Wie halten Sie ältere Mitarbeiter fit?

Neumann: Wir ermöglichen allen Mitarbeitern regelmäßig einen gründlichen ärztlichen Check-Up inklusive Vorsorgeempfehlungen. Gerade haben wir einen Vertrag unterzeichnet mit der Mettnau-Klinik am Bodensee. Das sind weltweit anerkannte Gesundheits-Spezialisten. Wir holen das Konzept und einzelne Therapeuten zu Volkswagen, um auf Basis unseres VW- und Audi-Check-Up ein Gesundheitsprogramm für unsere Mitarbeiter zu entwickeln.

Seite 1:

VW schafft 50 000 neue Stellen

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Seite 5:

Kommentare zu " Interview mit Vorstand Neumann: VW schafft 50 000 neue Stellen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%